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Nachrichten für Filmschaffende – der Branchennewsletter von Crew United
#494 vom 25. März 2021
Das Titelthema: Diskriminierung ist Filmalltag

Die weiteren Themen: Cinema Moralia | Filmemachen | Diversität | Kino | Stream | Europa | Festivals | Termine | Auf Sendung 
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Thema

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Grafik © Marcus Mazzoni

Diskriminierung ist Filmalltag

Diversität ist das heiße Thema – auch in der Film- und Fernsehbranche. Doch wie steht’s tatsächlich darum, auf dem Bildschirm und in der Produktion? Die Initiative „Vielfalt im Film“ befragte Filmschaffende vor und hinter der Kamera. Mehr als 6.000 nahmen teil. Damit liegen erstmals umfassende Daten zu ihren Erfahrungen mit Vielfalt und Diskriminierung vor.
Die Antworten erschrecken: Mehr als die Hälfte sah sich von Diskriminierung betroffen, 8 von 10 Frauen wurden sexuell belästigt. „Diskriminierung im Arbeitskontext ist kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem der Filmbranche“, schließen die Intitiator*innen aus den Zahlen, die das für alle Bereichen belegen.
Und auf Leinwand und Bildschirm sieht’s nicht besser aus: Meist klischeehaft und generell unterrepräsentiert ist alles, was nicht der Norm entspricht. Und die ist männlich, weiß, hetero. Dabei hat sich die Welt längst geändert, und die brauche auch neue Erzählungen, meint nicht nur der Schauspieler und Produzent Tyron Ricketts: „Erzählungen, die auf eine inklusive und  demokratische Weise dafür sorgen, dass sich alle Menschen, die unser Land ausmachen in den Geschichten repräsentiert fühlen, die wir erzählen. Dies kann nur gelingen,  wenn an allen relevanten Positionen der Wertschöpfungskette Menschen sitzen, die selbst Diversitätserfahrung haben.“ 
Die Umfrage soll helfen, die strukturellen Schwachstellen zu entdecken, Lösungsvorschläge stellt die Initiative auch zur Diskussion. Den ganzen Artikel lesen Sie auf „Out-takes“.

Cinema Moralia

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„Lovemobil“. | Foto © SWR/Christoph Rohrscheidt 

Wider die puritanische Phantasie

Vertei­di­gung des Unau­then­ti­schen aus mögli­cher­weise falschem Anlass: Wenn man über den Fall „Lovemobil“ sprechen möchte, dann kann man von den Produk­ti­ons­be­din­gungen des Deutschen Kinos nicht schweigen, meint Rüdiger Suchsland in seinem Tagebuch eines Kino­ge­hers auf „Artechock“: „Viel­leicht muss man über die 36.000 Euro schreiben. 36.000 Euro – so viel ist dem NDR eine Lang­zeit­do­ku­men­ta­tion für das Kino wert, jeden­falls diese. Für 36.000 Euro erwartet also ein öffent­lich-recht­li­cher Sender, dass eine Regis­seurin jahrelang unter Straßen­pro­sti­tu­ierten recher­chiert und einen fertigen Langfilm fürs Kino im Stil des Direct Cinema dreht. Dies ist eine lächer­liche Summe, für die die Regis­seurin Elke Lehren­krauss diesen Film in welcher Weise auch immer hätte fertig­stellen können. Selbst­ver­ständ­lich hat sie noch etwas mehr Geld bekommen: Zu den 36.000 Euro vom NDR kamen von der Nordmedia, der Film­för­de­rung von Nieder­sachsen und Bremen, weitere 50.000 Euro; im Rahmen eines Stipen­diums schließ­lich 15.000 Euro. Alles in allem hat sie also etwa 100.000 Euro bekommen – auch das ist erschre­ckend wenig für eine mehr­jäh­rige Recherche und für einen Film, der de facto eigent­lich 400.000 bis 500.000 Euro wert ist. So miserabel sind die Bedin­gungen im deutschen Kino. Es ist nicht unüblich und man muss dem Sender konsta­tieren, dass er sich hier nur an die Gepflo­gen­heiten hält. Aller­dings eben kata­stro­phale Gepflo­gen­heiten, die die Produkte, also die Filme beschä­digen. An Gepflo­gen­heiten, die den deutschen Film grund­sätz­lich beschä­digen, weil sie Arbeits­be­din­gungen schaffen, unter denen keiner vernünftig arbeiten kann.“

Filmemachen

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„Lovemobil“. | Foto © NDR

Wahr oder wirklich?

Der Kino-Dokumentarfilm „Lovemobil“ beschäftigt die Feuilletons. Die Regisseurin Elke Lehrenkrauss schildert den Alltag zweier migrantischer Sexarbeiterinnen, die ihre Dienste in einem Wohnmobil anbieten. Der Film erhielt gute Kritiken, den „Deutschen Dokumentarfilmpreis“ und wurde zuletzt für den „Grimme-Preis“ nominiert. 
Gestern distanzierte sich der NDR von dem Film, den er Sender mitproduziert hatte: Er zeige in weiten Strecken Szenen, „die nicht authentisch sind“. Das hätten Recherchen der NDR-Redaktion „STRG_F“ ergeben. „,Lovemobil‘ soll zwar auf Basis von langjährigen Recherchen der Autorin entstanden sein, aber zentrale Protagonist*innen des Films schildern nicht ihre persönlichen Erfahrungen, sondern spielen eine Rolle. Zahlreiche Situationen sind nachgestellt oder inszeniert.“ Der Film sei zwar von der NDR-Dokumentarfilmredaktion redaktionell begleitet und abgenommen worden. „Grundlagen waren ein Exposé und eine Kalkulation über einen Dokumentarfilm. Die Redaktion war während der mehrjährigen Produktionszeit zu keinem Zeitpunkt über die Inszenierungen informiert worden.“ Der Film entspreche nicht den Standards, die der Sender „an dokumentarisches Erzählen anlegt. Er gaukelt dem Publikum eine Authentizität vor, die er nicht hat.“
Die Dokumentarfilmredaktion des Senders hatte bereits am Montag Stellung genommen. Da schilderte sie ausführlich die Vorgänge aus ihrer Sicht und erklärte ihre Arbeitsweise: „Im NDR gibt es verschiedene Regeln und Mechanismen, die Täuschungen verhindern sollen. Dazu gehören unter anderem ein Vier-Augen-Prinzip von Produktion und Redaktion, sorgfältige Abnahmen, Plausibilitäts- und Faktenchecks, stichprobenartige Detailprüfungen von Produktionen. […] Die Redaktion ist beim Dreh von Dokumentarfilmen nicht dabei. Das machen die Autor*innen eigenständig. Deshalb ist gegenseitiges Vertrauen besonders wichtig. Die Redaktion muss sich darauf verlassen können, dass die Autor*innen das vereinbarte Produkt abliefern und dabei journalistische Standards beachten.“ Man fühle sich „getäuscht“: „Verabredet war ein Dokumentarfilm, kein Hybriddokumentarfilm oder Spielfilm. Authentizität ist essenziell für das Genre des Dokumentarfilms.“
Wie konnte ein zu großen Teilen inszeniertes Werk überhaupt als „Dokumentarfilm“ Sender und Fachwelt passieren?, fragt die „Taz“: „Alles an ,Lovemobil‘ wirkt im Lichte der Enthüllung zu idealtypisch. Die Figuren zu reflektiert. Dass niemand Alarm schlug, liegt wohl daran, dass im Dokfilm ein Mindestmaß an ,Inszenierung‘ akzeptiert wird, solange es redliches Abbild der Wirklichkeit ist.“
„Lovemobil“ verstoße gegen ein Grundgesetz des Dokumentarischen, meint „Der Tagesspiegel“: „Seine Überwältigungskraft zieht der Film auch aus dem Mittel, das Lehrenkrauss eine ,viel authentischere Realität‘ nennt. Szenen sind nicht der Realität entnommen, sie sind in die Realität eingesetzt worden, sie wurden nachgestellt, inszeniert, zahlreiche Protagonisten schildern nicht ihre persönlichen Erfahrungen – sie spielen eine Rolle. Eine Hyperrealität ist entstanden, ein Hybridformat aus Dokumentation und Fiktion. Das ist möglich, muss aber unbedingt einer Bedingung folgen: Der Zuschauer muss dringend und unmissverständlich darüber informiert worden, was er da sieht. Er darf nicht im Unklaren darüber bleiben über das echt Realistische und das nur angeblich Realistische in einer Produktion. Eine Irreführung des Publikums ist ein Irrweg.“
Wieviel Fiktion die Dokumentation verträgt, fragte dazu am Dienstag der Deutschlandfunk
Für die „Frankfurter Rundschau“ wirft die fingierte Realität Fragen über „zweifelhafte Qualitätsstandards“ auf: Inszenierungen seien in den dokumentarischen Formaten des deutschen Fernsehens alltäglich, auch Hybridformen seien zurzeit besonders populär: „In jedem Fall führt uns dieser Film ein Dilemma der gegenwärtigen Dokumentarfilmkultur vor Augen: Warum wünschen sich Fernsehredaktionen und Festivals Dokumentarfilme, die aussehen wie Spielfilme? Und warum ist ein Publikum so leicht bereit, diese Inszenierung für authentisch zu halten?“
Im Januar vorigen Jahres hatte Lehrenkrauss ihren Film an der Hochschule für bildende Künste Braunschweig als vorgestellt. Ihr Antwort auf die Frage aus dem Publikum (Minute 5:50), wieso die Dialoge teilweise wie aus einem Drehbuch klängen: Sie habe Protagonist*innen gesucht, die „redegewandt“ sei. Natürlich habe sie Szenen „an der einen oder anderen Stelle“ „öfter“ wiederholt und viel geschnitten. Von Inszenierungen sprach sie nicht.
Gegenüber dem „Tagesspiegel“ hatte Lehrenkrauss am Montag eingeräumt, dass die Inszenierungen einiger Szenen nicht zu erkennen seien: „Ich bin keine Journalistin, ich mache künstlerische Dokumentarfilme. Für mich gibt es eine offenere Form von Dokumentarfilmen, mit denen man sich der Realität annähert. […] Ich habe nichts erfunden. Alles, was wir gedreht haben, waren Momente und Situationen, die wir tatsächlich so erlebt haben.“ Ein Film nur mit jenen Protagnistinnen, die sich auch vor der Kamera äußern wollten, hätte die Realität nicht richtig abgebildet. „Es wurde einfach versäumt, den Film richtig zu etikettieren.“   . 

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„Die Spielwütigen“. | Foto © Studiocanal 

Immer ohne Drehbuch

Hans Rombach wollte fotografieren. Und fliegen. Stattdessen kam er zum Film. Und beobachtete unter anderem mit dem Regisseur Andres Veiel sieben Jahre lang junge Menschen, die Schauspieler werden wollten. „Die Spielwütigen“ erhielt den „Bayerischen Filmpreis“.
Die „Taz“ porträtiert den Kameramann, der lieber Dokumentarfilme dreht: „Spielfilme waren ihm zu langwierig. Zu kompliziert. Diese ewigen Vorbereitungszeiten, und dann diese gekünstelten Dialoge, diese Schauspieler und diese unmöglichen Drehorte. Und alles steht vorher fest. Selbst das Wetter. Beim Dokumentarfilm gibt es kein Drehbuch, in dem steht, dass die Sonne scheint. ,Wenn es regnet, dann regnet es eben!‘ Ihm gefalle zwar auch die Fiktion, sagt er, ,aber sie muss klein und überschaubar bleiben’. Nicht ständig diese Vogelperspektive, die alles aus der Distanz erfasst. ,Bei der Doku trifft man sich erst mal ohne Kamera und lernt sich kennen. Man erzählt. Man verbringt Zeit miteinander, so viel, bis man zusammenwächst. Bei den Spielfilmen gibt es am Schluss eine Fete, und dann geht alles wieder auseinander.‘“

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Kurt Krömer. | Foto © RBB/Daniel Porsdorf

Kein Bock auf Versteckspiel

Der Berliner Humorist und Schauspieler Kurt Krömer spricht zum Auftakt der neuen Staffel seiner Show „Chez Krömer“ erstmals öffentlich über seine eigenen Depressionen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA) aus einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ vom Montag [Bezahlschranke]: „Was mich immer gestört hat bei dem Thema, war dieser Satz, dass das ein Tabuthema sei. So nach dem Motto: Du hast Depressionen? Die kannst du gerne haben, aber darfst nicht darüber sprechen.“ An seinem Komiker-Kollegen Torsten Sträter, mit dem er in der bereits aufgezeichneten Folge über die Krankheit spricht, habe er dessen offenen Umgang damit, auch im eigenen Bühnen-Programm, stets bewundert, so die DPA.

Diversität

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Grafik © DGA

DGA sieht mehr Diversität in US-Serien

In den USA hat der Anteil afroamerikanischer und weiblicher Regisseure zugenommen – zumindest was Fernsehserien angeht. Das vermeldet die Directors Guild of America (DGA), der US-Regieverband, in seinem neuesten Inklusionsbericht für die Fernsehsaison 2019/20.
Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil von Regisseurinnen von 31 auf 34 Prozent an. Damit habe er sich über die jüngsten fünf Jahre mehr als verdoppelt: 2014/15 lag er bei 16 Prozent. Der Anteil von „Directors of Color“ stieg gegenüber dem Vorjahr von 27 Prozent auf 32 Prozent an – vor fünf Jahren waren es noch 18 Prozent. Die Verbesserung trifft nicht alle gleichermaßen, stellt die DGA fest: Der Regieanteil von Latinos stieg zwar ebenfalls um gut ein Sechstel, kommt aber lediglich auf 7 Prozent. Sie seien weiterhin stark unterrepräsentiert. Und „Asian Americans“ sind wie in der Vorsaison nur mit 6 Prozent vertreten.
So sieht die DGA in den Zahlen zwar einen „ermutigenden Zuwachs“, gibt sich aber noch nicht zufrieden: „Inklusion meint nicht die eine oder andere Gruppe, Inklusion meint jede*n.“
Auch die großen TV-Studios werden in dem Bericht betrachtet. Allerdings nur die Unternehmen, die in der Saison mindestens 70 Episoden verantworteten – diese Grenze soll eine stabile Datenbasis sichern und statistische „Ausreißer“ verhindern. Acht Unternehmen haben es ins Ranking geschafft. Sie stehen hinter Dreiviertel der Serienfolgen, die der Bericht untersuchte.
Eine Kuriosität zeigt das Ranking: Während Sony mit 33 Prozent bei den „Directors of Color“ ganz oben steht, landet die Firma mit dem fast gleichen Anteil von Regisseurinnen auf dem vorletzten Platz. Da führen Paramount mit 47 und HBO mit 44 Prozent – bei den „Directors of Color“ bilden sie mit Abstand das Schlusslicht.
Der Streamer Netflix, der oft als Vorbild für Diversität angeführt wird, kommt nur auf den dritten Platz bei de „Directors of Color“, bei den Regisseurinnen sogar nur auf den fünften. Disney liegt beim ersten gleichauf, beim zweiten auf Platz 3. Amazon ist wegen der Mindesthürde nicht im Ranking. 

Kino

Streamingdienste könnten Kinos verdrängen

Um das Gemeinschaftserlebnis vor großer Leinwand fürchtet „Menschen machen Medien“: Große US-Filmstudios setzen auf eigene Streamingdienste und wollen dieses Jahr ihre Blockbuster nicht mehr zuerst im Kino zeigen. Damit schwinde der exklusive Vorsprung des Kinos. „Die deutsche Kino-Branche richtet inzwischen mahnende Wort an die Politik, endlich einzugreifen. […] Gleichzeitig reagieren die Kinos in Deutschland auf die immer besseren Abrufzahlen der Streamingdienste und das verstärkte Abwandern von Kinofilmen ins Netz. Etwa mit einer besseren Ausstattung und erhöhter Aufmerksamkeit auf das Wohlbefinden der Kinobesucher*innen. Cinemaxx berichtet von Investitionsplänen, die schon vor der Pandemie beschlossen und in den Schließzeiten umgesetzt wurden. Im Corona-Jahr 2020 wurden bereits fünf der Cinemaxx-Kinos vollständig mit neuen Sitzen ausgestattet.“

Stream

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„Dark“ – die erste deutsche Serie für Netflix. | Foto © Netflix

Schatten im Schlaraffenland

Ist der Kunde bei Netflix gar nicht König? Das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ fragt nach dem Erfolgsrezept des Streamers und findet auch den Haken daran: „Die Erfolgsgeschichte klingt märchenhaft, lässt sich jedoch erklären. Netflix, erläutert Medienwissenschaftler Gerd Hallenberger, „hatte als erster Streamingdienst einen sehr pfiffigen Algorithmus und konnte auf diese Weise früher und vor allem präziser als andere Anbieter Empfehlungen aussprechen.“
Im Unterschied zu einem TV-Sender könne sich Netflix ausschließlich auf die Bedürfnisse der Kunden konzentrieren, und müsse auch nicht möglichst viele Zuschauer in einem Land erreichen. „Ein Marktanteil von einem Prozent, dies aber in hundert Ländern, sei laut Hallenberger, für die ökonomische Effizienz vollkommen ausreichend; deshalb rentierten sich auch die zum Teil sehr aufwendigen Produktionen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass gerade die Serien überall funktionieren. Deshalb, behauptet Hallenberger, würden die Stoffe so lange glattgebügelt, bis alle inhaltlichen Kanten abgeschliffen seien. Das gelte auch für die Ästhetik: ,Die Geschichten müssen international verständlich sein, weshalb sie oft auch international aussehen. Lokalkolorit würde da nur stören.‘ Der Medienwissenschaftler nennt das den ,touristischen Blick’: ,Der sieht überall nur schöne Landschaften, malerische Dörfer, beeindruckende Bauwerke. Dadurch wird die ganze Welt zu einem Eintopf.‘“    

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Arte soll die ZDF-Mediathek füllen

Das ZDF baut die Personalisierung seiner Mediathek sowie deren Empfehlungssysteme weiter aus, meldet „Digitalfernsehen“. Der Sender habe aber noch mehr vor: „Mit der Integration des jungen Angebots ,Funk‘ sowie der geplanten Aufnahme von Arte-Inhalten soll die Angebotsvielfalt weiter steigen.“ Alle Inhalte seien aber weiter auch „algorithmenfrei“, ohne Tracking und ohne Login, zugänglich. 

Europa

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„Alexis Sorbas“. | Foto © 20th Century Fox

Griechenland lockt mit Subventionen

Griechenland ist als Drehort für einige Filmklassiker berühmt. Doch sie alle liegen Jahrzehnte zurück, berichtet „Digitalfernsehen“. Doch in den vergangenen Jahren habe das das Interesse internationaler Produktionen wieder stark zugenommen: „Grund dafür ist ein Gesetz aus dem Jahr 2017. Dies unterstützt Filmproduktionen mit 40 Prozent der Produktionskosten – sofern ein griechischer Produzent an dem Vorhaben beteiligt ist. ,In den vergangenen drei Jahren hatten wir durch das neue Gesetz fast 500 neue Anfragen“, sagte Venia Vergou von der griechischen Filmkommission (Ekome) der Deutschen Presse-Agentur. Rund 100 Filme wurden gedreht und mehr als 97 Millionen Euro flossen so nach Griechenland. Im laufenden Jahr sollen in Griechenland mindestens 18 Filme gedreht werden, manche mit höchst prominenter Besetzung, wie griechische Medien berichten.“ 

Kein Kulturministerium für Deutschland

In der Kurzfassung wird sie zwar als Kulturstaatsministerin bezeichnet, auch die Website ist unter diesem Titel zu erreichen. Formell ist die Staatsministerin aber lediglich „Kulturbeauftragte des Bundes“. Denn die Kultur ist in Deutschland Sache der Länder.
Vor kurzem hatte sich Monika Grütters erneut für ein eigenständiges Bundeskulturministerium ausgesprochen. Begründet hatte sie dies mit der gewachsenen bundespolitischen Bedeutung der Kultur. Die Kulturminister*innen der Länder haben dem Vorstoß dennoch eine Absage erteilt, meldete die Deutsche Presse-Agentur am vorigen Freitag und zitiert den Vorsitzenden der Kulturministerkonferenz, Berlins Kultursenator Klaus Lederer. Die Kultur ist nach dem Grundgesetz Angelegenheit der Bundesländer: „Der Föderalismus hat die Bundesrepublik über Jahrzehnte geprägt und stark gemacht und die Länder werden ihrer gesamtstaatlichen Verantwortung besonders im Kulturbereich gerecht.“ Die Leistungen des Bundes allerdings „werden ausdrücklich begrüßt“, so die DPA. 

Festivals

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2016 beim Lichter Filmfest. | Foto © Avi Dehlinger/CC BY-SA 3.0

Der digitale Kinosaal ist auch Zukunft

Das Lichter Filmfest in Frankfurt wird zum geplanten Datum stattfinden – wenn auch anders als sonst. Die Organisatoren sehen in der Pandemie neue Perspektiven für Kinos, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ nach dem Gespräch mit Johanna Süß und Gregor Schubert: „Im vergangenen Jahr hatte Lichter, als eines der ersten Festivals, in Windeseile eine rein digitale Ausgabe aus dem Boden gestampft – mit großem Erfolg, über die Region hinaus. Die Entscheidung, limitierte Tickets zu verkaufen, erwies sich als richtig – auch das diesjährige Saarbrücker Ophüls-Festival verfuhr nach diesem Prinzip mit großem Erfolg. ,Damals war der Lockdown noch frisch, damals fand alles, was über Online-Formate ausgespielt wurde, dankbare Abnehmer’, so Schubert, jetzt sei man etwas ,mürbe‘ von der Situation.“ Dennoch sei der digitalen Kinosaal „für uns in jedem Fall auch eine Zukunft.“ Wobei „Süß zu bedenken gibt, dass die Generation jenseits der 60 dadurch verlorengehen könnte. Nur online sei keine Lösung, Begegnung gehöre unabdingbar zu einem Festival. Beide aber finden die Bestrebungen interessant, digitale Auswertungen […] parallel zur Kinoauswertung anzubieten.“ 

Go East läuft überwiegend virtuell

Go East, das Festival des mittel- und osteuropäischen Films, findet wegen des verlängerten Lockdowns weitestgehend virtuell statt. Vom 20. bis 26. April sollen fast alle Filme über die Festival-Website zu sehen sein. Filmgespräche, Diskussionsrunden und weitere Veranstaltungen sollen ebenfalls online laufen. Fürs Publikum bleiben aber ganz real das Autokino auf dem Dern’schen Gelände in der Wiesbadener Innenstadt und der K67-Kiosk vor dem Nassauischen Kunstverein bestehen, teilt das Festival mit.

Termine

Überlebenstipps für die Krise 

Zum „Corona Café“ lädt an diesem Freitag die Deutsche Akademie für Fernsehen (DAfF). In dem offenen „Zoom“-Meeting sprechen ab 18 Uhr Kreative über ihren Umgang mit dem Pandemiejahr, ihre beruflichen Abwege und ihre zweiten Standbeine. Wohin mit der ganzen Kunst, wenn alles still steht? Wie den Lebensunterhalt bestreiten, wenn die Haupttätigkeit plötzlich wegbricht? Grundlagen in Zeitmanagement-Techniken werden dabei ebenso diskutiert wie Best-Practise-Beispiele.
Die Teilnahme ist frei, die Plätze sind begrenzt. Bei Überbuchung werde live auf dem Youtube-Kanal der DAfF gestreamt, wo die Veranstaltung auch danach noch zu sehen ist.  

Auf Sendung

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„Ku’damm 63“. | Foto © ZDF/Boris Laewen

Brav durch die wilden Sechziger

Die dritte Staffel der beliebten deutschen TV-Serie „Ku’damm“ startet im ZDF. Im Berlin im Jahr 1963 geht es drunter und drüber, meint die „Frankfurter Rundschau“, bleibt aber dran an der Mischung aus historischen Begebenheiten und der fiktiven Geschichte einer Berliner Familie: „Es ist eine Entscheidung in der ,Ku’damm’-Serie, Geschichte in einer genießerisch detaillierten Ausstattung, aber von heute aus zu erzählen. Das gilt erst recht fürs Thema Emanzipation und kann munter sein, zumal Ensemble und Regisseurin Sabine Bernardi so vergnügt und lebensvoll an viele TV-Szenen herangehen. Aber immer wieder ist die ZDF-Serie auch schal, naiv oder besserwisserisch.“
Für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ist die Familiensaga inzwischen „leider eine Enttäuschung. Trotz großartiger Schauspielerinnen“: „Ideengeberin und Autorin Annette Hess und Regisseur Sven Bohse gingen bei ,Ku’damm 56‘ von einer glücklichen Prämisse aus. Tanzschulen waren Benimmschulen. Hier lernte man gesellschaftlichen Umgang, Konversation, Haltung und tanzen. Die Inhaberin der Tanzschule „Galant“ am Kurfürstendamm, Caterina Schöllack (Claudia Michelsen), die Patriarchin, war ganz Kind ihrer Zeit. Die „schlimme Zeit“ verdrängen, Kontrolle wiedergewinnen und weitermachen, das gab sie ihren drei Töchtern Helga (Maria Ehrich), Monika (Sonja Gerhardt) und Eva (Emilia Schüle) mit auf den Weg. […] Detailreich ausgestattet, ließ ,Ku’damm 56‘ die Wirtschaftswunder-Fünfziger genauso akribisch wiederauferstehen wie der Nachfolger ,Ku’damm 59’. Auch hier trug die Idee noch: Musik und Tanz als Spiegel und Dynamik des Zeitgeists. […] Von der zeithistorischen Klammer ist in ,Ku’damm 63‘ wenig übrig. Kostüm- und Szenenbild sind stimmig (Maria Schicker und Axel Nocker), aber die Parallele von Tanzschulgeschehen und historischer Entwicklung wird nur pflichtschuldig weitergeführt. Hauptautor Marc Terjung, Seraina Nyikos und Johannes Rothe projizieren sie nun auf die ,skandalösen‘ lateinamerikanischen Tänze. […] Für jede der drei Töchter kommt es schlimm. Sie lavieren zwischen Anpassung und Aufbruch. Statt hier aber die Parallele zur Zeitgeschichte zu ziehen, spielt sich diese Entwicklung weitgehend im Privaten ab oder wird kriminalistisch heikel.“

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„Oleg“. | Foto: Tasse Film 

Moderne Sklaven

Der Spielfilm „Oleg“ [Trailer] verschlägt seinen Helden in einen belgischen Schlachtbetrieb, wo er Schweinehälften zerkleinert. Statt der ersehnten finanziellen Unabhängigkeit erwartet ihn eine Abwärtsspirale.
„[Juris] Kursietis hat einen düsteren Film über die Mechanismen der modernen Sklaverei gedreht. Selten wird von diesen Menschen erzählt, die auf der Suche nach einem neuen Leben in tatsächlich sklavenähnliche Abhängigkeitsverhältnisse gedrängt werden“, meint „Der Freitag“ über den Film aus Lettland, der am Montag auf Mubi als „Film des Tages“ startete: „Mit seinem Fokus auf Arthouse-Produktionen und randständigere Werke ergänzt der Streaminganbieter seit einigen Jahren das Angebot von Netflix und Co. und bietet bewusst den ,kleineren‘ Filmen des Arthouse-Kinos eine Plattform. Sieht man Amazon, Netflix und so weiter als Discounter mit gewaltig budgetiertem Überangebot, ist Mubi dagegen der Feinkostladen mit begrenztem, dafür erlesenem Angebot, so das geschickt gesetzte Marketingnarrativ des in London beheimateten und in New York, Kuala Lumpur und Mumbai vertretenen Unternehmens. Ein sozialkritischer Film wie ,Oleg’, der mit seiner handkameraverwackelten, auf Authentizität setzenden Ästhetik mit dem Dokumentarfilm schwanger geht, passt perfekt ins Portfolio. Vor allem auch, weil Mubi sich die Diversität auf die Fahnen geschrieben hat. Mal unabhängig von den corona-bedingten Kinoschließungen gefragt: Ob es der lettische Film nach der Premiere in der ,Quinzaine des Réalisateurs‘ 2019 in Cannes überhaupt jemals auf die deutschen Leinwände geschafft hätte?“ . 

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„Verzaubert und verdrängt“. | Foto © SWR/Stiftung

Meister der Täuschung

Helmut Schreiber gilt als der schillerndste Magier der deutschen Geschichte. Unter dem Künstlernamen Kalanag zauberte er sich durch drei Epochen und stellte eine ungeheure Verwandlungskunst unter Beweis – und streifte auch Film und Fernsehen.
Die ARD-Dokumentation „Verzaubert und verdrängt – die Karriere des Magiers Kalanag“ spürt dem zwielichtigen Talent 45 Minuten lang nach, berichtet „Digitalfernsehen“: „Der Künstler setzt damals auf Überwältigung, weshalb seine Shows zunehmend an Tempo gewinnen. Im Nationalsozialismus perfektioniert Schreiber sein Handwerk, indem er als Hofmagier von Hitler, Goebbels und Göring fungiert. Unter diesen Bedingungen steigt er zum Filmproduzenten auf und verantwortet in dieser Rolle zahlreiche antisemitische Propagandafilme.“
Der Regisseur Oliver Schwehm schildert die zauberhafte Karriere mit bisher nie veröffentlichtem Archivmaterial, erklärt der SWR zu seiner Produktion: „In einer Zeit, in der noch nicht in jedem Wohnzimmer ein Fernseher stand, wurde Schreiber ein Star. Mit seiner Gattin Gloria und einer Truppe von 80 Künstler*innen, Musiker*innen und Tänzerinnen bereiste er die Welt. In perfekt inszenierten Revuen mit exotischen Kulissen ließ er in aufwändigen Großillusionen Autos verschwinden, Mädchen dreiteilen und endlos Bier, Wein und Champagner aus gläsernen Karaffen fließen. Als Ende der 1950er Jahre die Regierung Adenauer die ,Freies Fernsehen GmbH‘ als regierungsnahes privatrechtliches Gegengewicht zur ARD gründen wollte, wurde Helmut Schreiber schließlich für den Posten des künftigen Unterhaltungsdirektors verpflichtet. Hätte das Bundesverfassungsgericht nicht Adenauers Projekt gestoppt, wäre es eine letzte erstaunliche Wendung im Leben des Helmut Schreiber gewesen. Er starb am 24. Dezember 1963.“

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