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Nachrichten für Filmschaffende – der Branchennewsletter von Crew United
#510 vom 27. Mai 2021
Das Titelthema: Keine Strategie

Die weiteren Themen: Filmemachen | Indiefilmtalk | Fernsehen | Kino | Stream | Diversität | Urheberrecht | Festivals | Preise | Auf Sendung
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Thema

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„Smart Money“ (1931). | Foto © Warner Bros. 

Keine Strategie

Im Juli sollen die Richtlinien für die Kulturelle Filmförderung der BKM überarbeitet werden. Kurz zuvor hat die Kulturstaatsministerin (BKM) Monika Grütters Branchenverbände nach ihrer Meinung gefragt. 
Filmemacher*innen fürchten nichts Gutes, erklärt Frédéric Jaeger im Interview mit dem Deutschlandfunk. Nach den Plänen der BKM würden vor allem Filme gefördert, die von Anfang an Aussicht auf Erfolg bieten. Die künstlerische Qualität von Filmen werde durch die Änderungen bald weniger im Fokus stehen, meint Jaeger, der als Vorstand des Verbands deutscher Filmkritik (VDFK) einen Offenen Brief mehrerer Verbände mitunterzeichnet hat. „Leider muss man immer wieder feststellen, dass es dann doch zwischen den Ideen, die die Kulturstaatsministerin äußert, was gefördert werden sollte, und den konkreten Methoden große Diskrepanzen gibt“, sagte Jaeger im Deutschlandfunk. Die Filmförderung interessiere sich grundsätzlich schon für kulturelle Qualität und setze dafür auch Jurys ein. „Allerdings sind die Vorgaben manchmal so, dass sie die Projekte davon abhalten, sich zu bewerben, die es eigentlich bräuchten.“ 
Als „Anschlag auf die kulturelle Filmförderung“, bezeichnet die „Initiative Zukunft Kino+Film“ die Pläne und das Vorgehen in einem Offenen Brief. Der Initiative gehören die AG Kurzfilm, der Bundesverband kommunale Filmarbeit, der Regieverband (BVR), Crew United, der Hauptverband Cinephilie und der VDFK an. „Grundsätzlich begrüßen wir, dass die BKM sich erstmals bereit erklärt, die Filmbranche zu diesem Thema anzuhören. Ihr Vorschlag zu Zeitablauf und Verfahren ist allerdings inakzeptabel. Dass die BKM den Verbänden, Initiativen und Institutionen zur Abgabe von schriftlichen Stellungnahmen einen Vorlauf von nur wenigen Arbeitstagen einräumt, spricht weder für Neugier auf differenzierte Auskünfte, noch für ein aufrichtiges Bemühen um Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Zudem werden bereits im Juli die Richtlinien erneuert. Wie sollte in diesem knappen Zeitraum denn ein ernsthafter Novellierungsprozess unter Berücksichtigung der Stellungnahmen überhaupt möglich sein?“
Man teile Grütters Einschätzung, dass die Zug- und Strahlkraft des deutschen Films verbessert werden sollte. „Dem ist aber nicht durch bloße Verschiebung der ohnehin zu geringen Mittel der kulturellen Filmförderung beizukommen. Nein: Ihre zutreffende Einschätzung verlangt eine grundlegende Infragestellung der bisherigen Filmförderung. Stattdessen freut sich Ihr Referat in der Zwischenbilanz der Kulturellen Filmförderung über die Erfolge in einem selbstreferentiellen System: Die von der BKM geförderten Projekte erhalten Auszeichnungen beim von der BKM gestifteten ,Deutschen Filmpreis‘ und werden auf der von der BKM maßgeblich finanzierten Berlinale uraufgeführt. Sind dies die wichtigsten Erfolgskriterien der BKM für deutsche Filme?“   
„Dass den Verbänden nur knapp drei Wochen Zeit eingeräumt wurde, um auf diese doch sehr wichtige Novelle zu reagieren“, moniert auch die AG Dok und konzentriert sich darum auf Aspekt, der die Dokumentarfilmer*innen besonders trifft: „Wir wurden darüber informiert, dass mit der Einführung der Projektentwicklungsförderung für Spiel- und Dokumentarfilm zugleich die Einstellung der Stoffentwicklungsförderung für Dokumentarfilm vorgesehen ist. Wir halten diesen Schritt für unsere Branche für fatal. Und möchten Sie dringend bitten, nicht daran festzuhalten. Die Stoffentwicklung für Dokumentarfilme ist ein sehr wichtiges Werkzeug insbesondere für die kulturell ausgerichtete Filmförderung. Sie unterstützt die im Dokumentarfilm entscheidende Phase der Recherche und Konzeption. Sie ist das Pendant zur Drehbuchförderung für Autor*innen im Spielfilm, und genauso unerlässlich.“
Die Pläne der BKM liefen gegen den Trend: Seit Jahren werde europaweit über die  Qualitätssteigerung bei Dokumentarfilmen diskutiert, viele Förderinstitutionen hätten sowohl Förderumfang als auch die Stoffentwicklung ausgebaut. Ohne Stoffentwicklungsförderung im Dokumentarfilm würden „nicht nur weniger Stoffe entwickelt werden, sondern auch die Qualität der Stoffe sinken, die für die Projektentwicklung angemeldet werden.“

Filmemachen

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Filip Zumbrunn. | Foto © Filip Zumbrunn

Neben dem Rampenlicht

Der Kameramann Filip Zumbrunn ist vor allem für seine Handkamera bekannt. Mit Dani Levy drehte er vor vier Jahren einen Schweizer „Tatort“ in einem Take, und findet, bei solchen Projekten merke man, „dass der Schnitt erfunden wurde, um die Filme besser zu machen.“ Nun hat er auch beim neuen Bremer „Tatort“ fast jedes Bild aus der Hand gedreht. „Idee und Konzept war, dass die Perspektive nie ganz zum Stillstand kommt“, erklärt er im Interview mit „DWDL“ und spricht auch über das Selbstverständnis seines Berufs: „Offen gesagt, sind alle hinter der Kamera prinzipiell uninteressanter als die vor der Kamera. Das war schon immer so und wird wohl auch so bleiben. Falls es anders wäre, erscheint mir die Regie doch wichtiger als ich. Da laufen schließlich alle Fäden zusammen. In der Pandemie kam öfter die Frage auf, wer austauschbar ist, wer nicht. Da zeigte sich, dass eigentlich nur die vor der Kamera unersetzbar sind, also Schauspieler. So gern ich wertgeschätzt werde, habe ich damit aber auch kein Problem. Selbst die Kameraleute in Hollywood kennen schließlich die wenigsten mit Namen.“
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Kevin Spacey in „House of Cards“. | Foto © Netflix

Zaghaft zurück

Kevin Spacey ist zurück im Geschäft, meldet die „Berliner Zeitung“ nach einem Bericht der DPA, die wiederum „US-Medien“ zitiert, und übertreibt insgesamt ein wenig. Denn Spacey soll lediglich eine kleinere Rolle in Franco Neros geplantem Film „L’uomo Che Disegnò Dio“ übernehmen, ein Drehstart ist noch nicht bekannt. Im Herbst 2017 waren Vorwürfe von sexuellen Übergriffen und Belästigungen gegen den Schauspieler laut geworden. Sein Auftritt in Ridley Scotts Film „Alles Geld der Welt“ wurde herausgeschnitten, der Streaming-Dienst Netflix warf ihn aus der preisgekrönten Serie „House of Cards“ – sie ging ohne ihren Hauptdarsteller zu Ende. Nun habe er das Rollenangebot aus Italien bekommen.

Indiefilmtalk

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Lysann Windisch. | Foto © DFFB 

Von Kino bis VoD

Jeden Tag erblicken neue Filme, Serien und mehr das flackernde Licht der Welt. Dem Publikum beschert das eine noch nie dagewesene Auswahl – für Filmschaffende wird es immer schwieriger, gesehen zu werden.  Nach Lösungen sucht die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) in ihrem neunmonatigen Treiningsprogramm „Next Wave“
Dessen Leiterin Lysann Windisch spricht in der Sonderfolge des Indiefilmtalks über einen „ständig im Wandel befindenden Distributionsmarkt“: „Wir schauen uns die Veränderung des Filmmarktes durch die Onlineplattformen an, reden über Distributionsstrategien und die Wichtigkeit von ,Audience Building‘ für die Sichtbarkeit eines Films.

Fernsehen

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Christine Strobl. | Foto © ARD/Laurence Chaperon

Öffentlich-rechtliche Chancen

71 Jahre, sechs Männer. Nun steht zum ersten Mal steht eine Frau an der Spitze der ARD. Seit Mai ist Christine Strobl die Programmdirektorin. In den neun Jahren zuvor hatte sie die ARD-Spielfilmfirma Degeto „vom Sorgenkind zur Vorzeigetochter umgebaut“ und will nun gegen die Konkurrenz der Streamer bestehen. Wie das gehen soll, erklärt sie dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ im Interview und fast das Dilemma des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gut zusammen: „Wir haben ganz zweifellos die jüngeren Zielgruppen vernachlässigt. Fast 40 Millionen Deutsche haben inzwischen ein Pay-TV-Abonnement. Das macht mich natürlich nicht glücklich, denn es zeigt ja: Es gibt offenbar eine große Bedürfnislücke, die wir nicht füllen. Ich glaube auch, dass Zugezogene uns überhaupt nicht auf dem Schirm haben, weil wir nicht die Vielfalt und Diversität widerspiegeln, die wir brauchen.“
Mit hochbudgetierten Fernsehserien und „Hochglanzdokus“ hätten die Streamer hohe Maßstäbe gesetzt. Da will Strobl anders mithalten: „Ich glaube, es muss unser Anspruch sein, unsere Geschichten zu erzählen, die unverwechselbar in Deutschland und Europa stattfinden. Das kann Netflix zum Beispiel nicht. Die arbeiten zwar auch mal mit hiesigen Kreativen, aber über 95 Prozent der Inhalte kommen aus dem internationalen Markt. Darin liegt unsere Chance …“
In einem digitalen Pressegespräch umriss Strobl vorigen Freitag die Pläne. Unter anderem berichtet „DWDL“: „Bis 2022 soll ein Gesamtkonzept stehen, das stärker als bisher auf Köpfe setzt. Das gilt für die Comedy, wo schon im Herbst erste Ergebnisse sichtbar werden sollen, aber auch für andere Bereiche. Da fallen die Namen Hirschhausen und Zamperoni, aber es geht auch um eine bessere Wahrnehmung von dokumentarischen Stoffen. [Strobl:] ,Wir haben eine Fülle von Dokumentationen, aber mir wäre schon auch wichtig, dass wir Dokumentationen haben, die von der Visualität, Machart, Ansprache eine solche Strahlkraft besitzen, dass wir sie einerseits um 20:15 Uhr ausstrahlen können, sie aber auch in der Mediathek nach oben ziehen können.‘“

Kino

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Vorigen Sommer in Berlin. | Foto © Rettet das Colloseum e.V.  

Kino-Kampf ums Überleben

Die Corona-Pandemie bedroht die Kino-Branche. Wie das im Einzelfall aussieht, schildert die „Berliner Zeitung“ an einem prominenten Schicksal aus der Hauptstadt: „Das ,Colosseum‘ ist nicht irgendein Kino. Es ist ein historischer Ort. Seit fast einhundert Jahren werden hier Filme abgespielt. Damit zählt es zu den ältesten Kinos in Deutschland. Das Gebäude wurde 1894 erbaut. 30 Jahre war es der Betriebsbahnhof der Pferde-Eisenbahn AG, 1924 wurde es zum Kino. Im Zweiten Weltkrieg nutzten die Nazis das Colosseum als Lazarett. 1957 eröffnete es wieder als Filmspielhaus. Zu DDR-Zeiten war es das Premierenkino Ost-Berlins und damit auch der Republik.“ Das Aus für ein Traditionshaus sei auch „der Beginn eines Kampfes um Kultur, Arbeitsplätze und die Frage: Wie viel Wandel verträgt die Stadt?“
Für den Erhalt des Kinos in Prenzlauer Berg sammelt der Verein „Rettet das Colosseum“ Spenden und Unterschriften. „Mit einem völlig neuen Konzept“ will er das Kino zu altem Ruhm und Glanz zurückführen. 

Stream

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Montage © cinearte 

Amazon übernimmt MGM

Der brüllende Löwe ist eine Ikone des Kinos. Jetzt gehört er Amazon. Der Streamingdienst übernimmt das Traditionsstudio Metro-Goldwyn-Mayer für 8,45 Milliarden US-Dollar. Und damit auch 4.000 Filme und 17.000 TV-Programmstunden, darunter die James-Bond-Filme, meldet „Blickpunkt Film“.
„Heise Online“ machte sich Gedanken, als die Übernahme noch nur Gerücht war: „Erstmals könnte damit ein Streaming-Anbieter einen Big Player aus dem Filmgeschäft übernehmen, der seine Anfänge noch in der Zeit der Stummfilme hatte.“ MGM werde schon länger als möglicher Übernahmekandidat gehandelt, Amazon habe bereits Milliarden Dollar in seine Film- und TV-Aktivitäten investiert. Zudem würde man dem Konkurrenten Apple unter anderem die James-Bond-Franchises wegschnappen: „Der MGM-Deal mit Amazon würde eine abrupte Wende in der Geschäftspolitik des Filmstudios bedeuten. Im Jahr 2018 feuerte es den damaligen Geschäftsführer Gary Barber, weil er Vorgespräche mit Apple über einen Verkauf geführt hatte. Im Gespräch war damals ein Übernahmepreis von sechs Milliarden Dollar.“
Die „Taz“ beschreibt es ähnlich: „MGM hat wie viele andere unter der Corona-Pandemie gelitten, weil Kinos lange Zeit geschlossen waren. So wurde der Filmstart des neuesten James-Bond-Films ,No Time to Die‘ wiederholt verschoben, zuletzt auf den 8. Oktober. Amazon bringt mit dem Kauf des berühmten Studios seine Ambitionen im Film- und Streaming-Sektor voran. Amazon hat mit Amazon Studios bereits eine Filmproduktionsgesellschaft und veröffentlicht auf seiner Streaming-Plattform Amazon Prime Video Serien und Filme.“

Diversität

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Foto © LSVD Bayern

Platzwechsel für Bayern

Queere Menschen machen rund 10 Prozent der Bevölkerung aus. Im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks (BR) sind sie offiziell nicht vertreten. Auch nicht im Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM). Dabei wurden doch beide gegründet, auf dass Interessensvertreter*innen verschiedener Berufe, Parteien und gesellschaftlicher Gruppen mitgestalten, erklären der LSVD Bayern und die Queer Media Society. Weil die Räte im kommenden Jahr neu besetzt werden, haben sie gemeinsam haben sie eine Petition für jeweils einen Platz für LSBTIQ* gestartet: „Bereits vor sechs Jahren hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die Zusammensetzung der Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die gesellschaftliche Vielfalt widerspiegeln sollen. Seitdem wurde mit der Berufung von Vertreter*innen beim ZDF, beim Deutschlandradio, beim Saarländischen Rundfunk und bei Radio-Bremen erstmals auch queeren Menschen die Teilhabe in den Aufsichtsgremien eröffnet. Auch in den Landesmedienanstalten von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland haben LSBTIQ* mittlerweile eine Stimme. In Bayern ist dies aber noch immer nicht der Fall.“  

Urheberrecht

Urheberrechtsreform auf Deutsch

Der Bundestag hat am vorigen Donnerstag die Urheberrechtsreform beschlossen. Das bedeutet: Uploadfilter kommen. Wer baut sie und was können sie? „Die Zeit“ blickt unter die Motorhaube und fragt Leute, die sich auskennen: „Das aktuelle Vermögen und Unvermögen dieser automatischen Filtersysteme kann da durchaus Unbehagen auslösen. Eben weil klar sein muss, dass sie in Bereichen wie der Wiedererkennung bestimmter Inhalte menschliche Analysen vor allem punkto Geschwindigkeit um Längen schlagen. Gleichzeitig zeichnet sich ab: Mit der Beurteilung von Kontext, Einordnung und Abwägung haben sie derzeit offenkundig noch Probleme. Das setzt ihrem sinnvollen und verantwortungsbewussten Einsatz selbst dann, wenn man sie nicht pauschal ablehnt, enge Grenzen. Am Ende bedeutet das: Ohne Menschen, die maschinelle Entscheidungen zumindest überprüfen, wird es in vielen Fällen schwierig werden. Ganz zu schweigen von der Notwendigkeit, mehr Transparenz als bisher darüber herzustellen, warum Sperrentscheidungen gefallen sind.“
Die Produzentenallianz kritisiert das Gesetzgebungspaket: „Eine Reihe von europäischen Ländern“ habe die EU-Richtlinie „mehr oder weniger wörtlich“ übernommen. Die Bundesregierung aber habe sich entschieden, „durch ausufernde Informationspflichten den Bürokratieaufwand der Produzent*innen und Verwerter, ohne finanzielle Vorteile für die Urheber*innen, massiv zu erhöhen und den Schutz der Urheberrechte auf Online-Sharing-Plattformen auszuhöhlen. Damit wird die Intention der Richtlinie in ihr Gegenteil verkehrt. Als Folge hiervon werden die Kreativbranchen im Land künftig weniger Zeit für das Produzieren neuer Inhalte haben, da sie deutlich mehr Zeit für das Administrieren von Rechten aufbringen müssen.“
In dem Bemühen, die Rechte von Urhebern zu stärken, verheddert sich der Gesetzgeber im Gestrüpp aus Kompromissen, findet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. „Die Plattformen müssen stärker haften, Urheber sollen mit Lizenzmodellen finanziell an den Gewinnen der Internetkonzerne beteiligt werden. Und um Millionen normale Internetnutzer nicht in die Abmahnfalle laufen zu lassen, wurde festgelegt, dass 15 Sekunden Film oder Ton, 160 Zeichen Text und 125 Kilobyte einer Foto- oder Grafikdatei als geringfügige Nutzung gelten. […] Hier aber steckt der Teufel im Detail: Den Vertretern der Plattformkonzerne sind diese Grenzen nicht großzügig genug, viele Kreative sind vom Gegenteil überzeugt. Und tatsächlich können 15 Sekunden Musik oder Video lang sein. So wurden zwar die schlimmsten Auswüchse zuungunsten der Kreativen beseitigt, aber von einem ausgewogenen Kompromiss und einem fairem Interessenausgleich zwischen Rechteinhabern, Kreativen und den Plattformanbietern kann eben keine Rede sein.“

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Festivals 

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Foto © Dokfest München 

Herausforderung Festival

Das Dokfest München ist zu Ende, für den Festivalleiter Daniel Sponsel war die zweite virtuelle Ausgabe „nochmal eine ganz andere Herausforderung“, erzählt er „Blickpunkt Film“ im Interview: „Mit 71.000 Besucher.innen sind wir nur knapp hinter der sensationellen Zahl vom vergangenen Jahr geblieben – eine schöne Erfolgsgeschichte.“ Und gelernt habe man daraus auch: „Noch fremdeln einige Menschen mit den virtuellen Empfängen und Begegnungen, doch tatsächlich wurden hier zum großen Teil Gespräche geführt, die sich von der persönlichen Begegnung kaum unterscheiden. Mit den Gestaltungsmöglichkeiten konnten sogar die Locations abgebildet werden. Wir haben mit der digitalen Kommunikation in unserem Branchenbereich wertvolle Erfahrung gesammelt und obwohl wir alle uns wieder auf persönliche Begegnungen bei Festivals und auch sonst freuen: Hier stehen weltweit nachhaltige Veränderungen an.“

Preise

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„Noch nicht Schicht“. | Screenshot

Pufpaff, der Eulenspiegel

Allein am Schreibtisch begleitet Sebastian Pufpaff auf 3sat durch die Pandemie. Seine Kurzshow „Noch nicht Schicht“ wurde im Mai mit dem „Grimme-Preis“ ausgezeichnet. „DWDL“ macht zu dem Anlass eine „Nahaufnahme“ des ausdauernden Fernsehkabarettisten: „#WeRemember: Angela Merkel sprach, es ist ernst. Alles stand still, nur nicht Sebastian Pufpaffs flinke Finger. Statt wie geplant mit dem aktuellen Programm ,Wir nach‘ auf Bühnentour zu gehen, was plötzlich verboten war, ging eine SMS raus an Roman Beuler, den Leiter der Spaßabteilung des ZDF: Ich mach da was für Youtube, das wär’ auch gut für euch. Wenig später war die erste Ausgabe von ,Noch nicht Schicht‘ auf Sendung, drangestöpselt an die 3sat-,Kulturzeit‘ und bereit zum Download in der Mediathek. Erstaunlich, wie unkompliziert und schnell öffentlich-rechtliches Fernsehen manchmal gehen kann. Aus der One-Man-Show im Hauruckverfahren, komplett im Hause Pufpaff produziert, ist ein Lockdown-Produkt von unverhoffter Haltbarkeit geworden. Von den vielen Formaten, die sich im vorigen Frühjahr spontan auf den Weg ins Fernsehen machten wie ,Die Quarantäne-WG‘ (RTL) von Jauch, Gottschalk & Pocher, hat Pufpaff eben ,noch nicht Schicht‘ gemacht.“

Auf Sendung

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„Another Day of Life“. | Foto © Wüste Film

Ein Hauch Revolutionsromantik

„Another Day of Life“ erinnert auf Arte an den Stellvertreterkrieg in Angola. Und an den polnischen Reporter Ryszard Kapuscinski. Und erhielt 2018 den „Europäischen Filmpreis“ als bester Animationsfilm. „Der Tagesspiegel“ würdigt das Werk, ist aber gespalten: „Als Graphic Novel, die ein Kapitel des Kalten Kriegs aus dem Jahr 1975 erzählt, bleibt die Darstellung jedoch ambivalent, ästhetisch überbordend und spannend, aber auch einseitig und holzschnittartig. Eine etwas zweifelhafte Gratwanderung zwischen Realität und Fiktion. Was wiederum ganz gut zu Ryszard Kapuscinski passt, der ja keine erfundene Comicfigur ist, sondern eine polnische Reporter-Legende mit internationalem Gewicht. Kapuscinskis Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. […] Grundlage des Films ist Kapuscinskis Buch mit dem gleichen Titel. Die Regisseure Raúl de la Fuente und Damian Nenow machen daraus ein animiertes Roadmovie in einer Mischung aus süffigem Abenteuer, krachender Action und coolem Journalistendrama, gewürzt mit einem Hauch Revolutionsromantik.“ 
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„Tatort: Neugeboren“. | Foto © RB/Christine Schroeder

Generationenwechsel

Luise Wolfram, Jasna Fritzi Bauer und Dar Salim spielen das neue Ermittler-Trio im Bremer „Tatort“. Doch so richtig funktioniert das Team noch nicht, meint die „Taz“: „Die drei spielen ihre ersten Begegnungen miteinander betont understatet. Sie reden in Ketten von Zweiwortsätzen miteinander, als hätten sie Besseres zu tun. Das passt gut in die von Regisseurin Barbara Kulcsar erschaffene desolate Stimmung in dieser ,Tatort‘-Geschichte […]. Allerdings gibt sich das Trio dann doch zu cool, um so richtig miteinander zu zünden. Es will nicht so recht greifbar werden, wie sie nun miteinander sind: freundschaftlich, argwöhnisch, feindselig, eifersüchtig, lustig? Ein bisschen von allem und zu wenig. Ermittlungserfolge haben die drei meist alleine, zu kooperativen Momenten kommt es kaum. Könnte am Buch liegen, das für eine Folge mit neuem Team zu kompliziert ist, mit zu vielen Figuren, von denen man einige, vor allem die drei jungen männlichen Darsteller und die zwei blonden Mütter, ständig durcheinanderwirft.“
„Der Tagesspiegel“ hatte sich mehr versprochen: „Im Bemühen, den neuen Ermittlern möglichst klug und vielversprechend die Bahn zu bereiten, ist den Machern etwas der rote Faden und damit den Zuschauern die Lust an der Lösung des Mordfalls abhanden gekommen, über weite Strecken zumindest. […] Vielleicht ist das ja der Grund, warum viele Sender über Jahrzehnte an ihren eingefahrenen „Tatort“-Teams festhalten (siehe Köln, München oder schon auch Münster): Weil es höchster Autorenschaft bedarf, um neue Ermittler zu etablieren, gleichzeitig einen überzeugenden Kriminalfall (hier kaum vorhanden) zu erzählen und dabei mit alten Sehgewohnheiten zu brechen.“
„Einsilbig, überambitioniert, aber man wird sich wohl aneinander gewöhnen“, schreibt die „Frankfurter Rundschau“ etwas ratlos:  „Die sechsteilige Internet-Miniserie ,How to Tatort‘, die als Pseudo-Doku über das Kennenlernen und die Dreharbeiten den Einstieg für das neue Bremer Team vorbereitet hat, ist dermaßen lustig, dass es für die erste echte Folge nicht einfach wird. Alle so ernst plötzlich, die Situation so überspannt, die Dialoge so überdeutlich. Serienauftakthauptfigurencharakterisierungswut verbindet sich mit norddeutscher Einsilbigkeit.“
„Der Spiegel“ lobt die „vielen starken Dialoge“ und erklärt das eigentliche Problem: „Ausgedacht hat sich das der Drehbuchautor Christian Jeltsch, der viele starke und risikofreudige »Tatorte« für das alte Team geschrieben hatte, unter anderem thematisierte er schon sehr früh den zweifelhaften Frontex-Einsatz im Mittelmeer. Mit der ersten Folge für die neue Bremer Truppe muss er jetzt das vielleicht ambitionierteste ,Tatort‘-Projekt der letzten Jahre wuppen: Er überführt den Krimi-Klassiker von der Generation Boomer, der die von Sabine Postel als Ex-Sponti-Braut verkörperte Kommissarin Lürsen angehörte, zu den Millianials. Postel ist Jahrgang 1954, Bauer Jahrgang 1989.“
Die Figuren, der Fall – alles voller Klischees, findet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „,Mutig‘, ,anders‘ und ,wahrhaftig‘, das seien die Adjektive gewesen, ,die das Konzept für den neuen Bremen-,Tatort‘ prägen sollten‘, sagt der Autor Jeltsch. Wir würden sagen: Das Ziel wurde in null von drei Punkten erreicht. Da kann sich die Regisseurin Barbara Kulcsar noch so anstrengen, ,nah an den Figuren zu erzählen‘, sie ,glaubwürdig und empathisch darzustellen‘. Das gelingt ihr nur in wenigen Szenen, und dann auch nur, weil die Besetzung stimmt.“ 

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„Das Mädchen aus dem Bergsee“. | Foto © ZDF 

Mehr als Unterhaltung

„Das Mädchen aus dem Bergsee“ – klingt nach Heimatfilm, ist aber der jüngste „Landkrimi“ von ZDF und ORF und „erfreulicherweise alles andere als Genre-Schonkost.“ Und das bringt „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zum Sinnieren: „Wen man auch fragt: Es gibt zu viele Krimis. Gleichzeitig aber schalten Zuschauer kaum etwas so gern ein wie Krimis. Dieses, das Fernsehkrimiparadox, verwundert bei näherer Betrachtung nicht. Der Fernsehkrimi – oder der Polizeifilm oder auch die Kriminalserie – ist nichts als ein verkaufsförderndes Label, mit dem sich selbst anspruchsvolleres Programm als Kassiber breitenwirksam machen lässt. Mehrteiler […] nutzen alle dramaturgischen und ästhetischen Möglichkeiten des Fernsehens. Sie sind Familiendramen, Beziehungsstudien, Gesellschaftsansichten und Charaktererforschungen im fiktional-anschaulichen Medium, nicht Unterhaltung allein. Selbst bei sogenannten ,Gebrauchskrimis‘ finden sich Genre-Perlen.“ Etwa dieser Film: „Die Gelbe-Farbe-Symbolik mag vordergründig wirken, der Plot in Grundzügen einigermaßen bekannt sein, aber hier wird er eben nicht herrgottsschnitzartig grob umgesetzt, sondern in genauen Szenen und vergleichsweise eleganten Bögen erzählt, die den Figuren Raum zur Entwicklung geben. Es sei erwähnt, dass nicht nur die Hauptgewerke des Films, sondern auch andere Posten fast durchweg in Frauenhand liegen. Was noch immer nicht allzu häufig im Fernsehen vorkommt.“ 
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„Die Einzelteile der Liebe“. | Foto © RBB/DFFB/Markus Kolb

Erstlinge im Ersten  

Die ARD zeigt wieder das „Filmdebüt im Ersten“. Als erster von zwölf Filmen startete am Dienstag das Drama „Die Einzelteile der Liebe“. Die DFFB-Absolventin Miriam Bliese schildert in ihrem ersten Langfilm die Beziehungsprobleme junger Elternpaare. Gedreht hat sie fast ausschließlich vor der Haustür eines Berliner Mehrfamilienhauses, allerdings nicht wegen der Corona-Pandemie (gedreht wurde vorher): „Ich wollte einen Zwischenraum zum Mittelpunkt des Geschehens machen. Sätze und Handlungen aufgreifen, die normalerweise am Rande stattfinden, und sie ins Zentrum rücken. Weil ich glaube, dass die Beiläufigkeiten des Lebens oft viel aufschlussreicher sind als die sogenannten ,großen Ereignisse‘“, wird Bliese im Presseheft zitiert. 
„Der Tagesspiegel“ findet das gelungen: „Das minimalistische Konzept funktioniert nicht zuletzt dank der Qualität der Dialoge und des Spiels der Darstellerin und Darsteller. Birte Schnöink und Ole Lagerpusch sind in guten wie in schlechten Zeiten ein glaubwürdiges Paar, reden und spielen pointiert, ohne gekünstelt zu wirken, sind sympathische Typen, die jedoch beide ihren Anteil am Scheitern der Beziehung haben. Der ,Zwischenraum‘ vor der Haustür erweist sich als durchaus geeignet für Zwischentöne.“
Gestern lief der zweite Film in der Reihe: „Goliath96“ von Marcus Richardt. Als Mutter, deren Sohn sich abkapselt, spielt Katja Riemann groß auf, lobt die „Taz“: „In den 1990ern war die Riemann eines der Gesichter des im Rückblick nur mehr schwer zu begreifenden Deutsche-Filmkomödien-Booms jener Jahre. Zuletzt spielte sie zweimal für den unabhängigsten Autorenfilmer des Landes, Oskar Roehler. Und selbst in einem dieser notorischen und also im Übrigen furchtbaren ,TV-Event-Dreiteiler‘ (,Unsere wunderbaren Jahre‘) war ihre Vorstellung im vergangenen Jahr die einzig denkwürdige: als verhärmte, verschlossene Nachkriegswitwe, einbeinig, mit Prothese und Gehstock. Je älter sie wird, desto weniger schont sie sich, könnte man meinen.“    

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Peter Hartig (V.i.S.v. § 55 Abs. 2 RStV)
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