600 pixels wide image
Nachrichten für Filmschaffende – der Branchennewsletter von Crew United
#793 vom 22. Januar 2026
Das Titelthema: Felix Europa 

Die weiteren Themen: Filmemachen | Stream | Festival | Förderung | Rückblick
Sie haben diesen Newsletter auf Umwegen erhalten und wollen ihn regelmäßig lesen? Abonnieren Sie hier kostenlos und unverbindlich, und Sie bekommen cinearte schnell und bequem auf Smartphone, Tablet oder Rechner.

Thema

Vorigen Samstag in Berlin. | Foto © Sebastian Gabsch/EFP

Felix Europa

Am Wochenende wurde der „Europäische Filmpreis“ [auf Englisch] verliehen – erstmals zum neuen Termin im Januar eröffnet er nun das neue Filmjahr mit einem Rückblick aufs Alte. Großer Gewinner des Abends ist das Vater-Tochter-Drama „Sentimental Value“, als norwegisch-französisch-dänisch-deutsch-schwedische Koproduktion wahrlich ein europäischer Film. Neben dem Preis für den besten Film gab’s auch Auszeichnungen für Regie (Joachim Trier), Hauptrollen (Stellan Skarsgård und Renate Reinsve), Musik (Hania Rani) und Drehbuch (Eskil Vogt und Joachim Trier). Fünf Auszeichnungen erhielt das Roadmovie „Sirât“ des französischen Regisseurs Óliver Laxe. Ein weiterer Favorit war Mascha Schilinskis Drama „In die Sonne schauen“ mit acht Nominierungen gewesen – lediglich das Kostümbild von Sabrina Krämer gewann den Preis. Ausgezeichnet wurde außerdem der Maskenbildner Torsten Witte für „Bugonia“, merkt die „BZ“ als einzige an.
Schade. Mehr als die Titelliste von der Presseagentur haben die Feuilletons und sonstigen Kulturseiten auch nicht zu berichten über Europas höchsten Filmpreis. Eingeschoben wird allenfalls, dass „der iranische Regisseur Jafar Panahi in seiner Er­öff­nungsrede die dramatische Lage in seinem Heimatland“ anprangerte („Frankfurter Allgemeine Zeitung“), und „auch auf dem roten Teppich zeigten sich mehrere Filmschaffende solidarisch mit den Menschen im Iran“ („Die Zeit“). Insgesamt war es ein „eher unpolitischer Abend“, meint Jenni Zylka in der „Taz“, von dem es wohl auch nicht viel mehr zu berichten gab. 
Beim „Standard“ hat Valerie Dirk doch mehr gehört – „da könnten sich die ,Oscars’ eine Scheibe abschneiden. Und es waren nicht nur fadenscheinige Lippenbekenntnisse, die von der Bühne schallten […]. Man darf darüber frustriert sein, dass Europa den Widerstand im Iran ausschließlich auf einer kulturellen Ebene fördert, doch zugleich ist die europäische Fähigkeit, sich interkulturell zu vernetzen, enorm wichtig.“
Auch „Die Rheinpfalz“ lässt Andrea Dittgen ein bisschen mehr von der Gala erzählen: „Vielfältig waren die Filme, da gab es keine Sequels und Comic-Verfilmungen, nur Originelles. Selbst die Show war besser als jede ,Oscar’-Verleihung – und zumindest einen Hauch politischer als die ,Golden-Globes’-Verleihung“; nur war sie halt „mit vier Stunden unnötig lang“.
Beim MDR fragt man sich, warum der deutsche Favorit am Ende doch fast leer ausgegangen ist, während wenige fast alles gewannen. Der Filmkritiker Knut Elstermann nimmt es zum Anlass für die übliche Kritik aus der Filmkritik: „Den Grund für die Häufung sieht er im Auswahlverfahren. ,Das ist ja keine Jury, das sind die Akademiemitglieder in den verschiedenen Ländern, die abstimmen.’ Sowas sei immer problematisch, findet der Filmkritiker, auch beim ,Oscar’ oder beim ,Deutschen Filmpreis’. Aus Elstermanns Sicht fehle so die Möglichkeit zur Diskussion.“ 
Die US-Filmakademie hat übrigens heute die Nominierungen für die „Oscars“ [auf Englisch] bekanntgegeben. Kandidaten aus Deutschland sind nicht dabei. 

ANZEIGE
600 pixels wide image

Filmemachen

„Smalltown Girl“. | Foto © Neue Visionen

Vergangenheitsbewältigung 

Nach zwei Dokumentarfilmen hat die Regisseurin Hille Norden ihr Spielfilmdebüt vorgelegt. „Smalltown Girl“ erzählt die Freundschaft von zwei jungen Frauen, es geht um Missbrauch und sexuelle Selbstbestimmung. Die Vergangenheitsbewältigung sei auch visuell einfallsreich inszeniert, findet Maxi Braun bei „EPD Film“, die insgesamt aber „eher ratlos“ zurückbleibt.
„Es ist erst mal auch ein Film über zwei Frauen, die einfach Spaß haben wollen und dann einfach Spaß haben“, erklärt die Regisseurin im Interview mit Rüdiger Suchsland bei „Telepolis“. „Es geht aber auch um die Langzeitfolgen von sexueller Gewalt. Warum sexuelle Gewalt eigentlich zu Folgen führt, wie man die überwindet und vor allem, wie man lernt, darüber zu sprechen. […] Es stimmt nämlich nicht, dass Leute nicht gerne über ihre Missbrauchserfahrungen reden. Wir haben nur keinen gesellschaftlichen Konsens gefunden, wie man dieses Gespräch führt. Dadurch, dass wir keine keine gesellschaftlichen Regeln dafür haben, was zu fragen angemessen ist, fragen wir oft gar nichts. Das ist schade, weil wir dadurch Betroffene alleine lassen“.
Das liege auch an der Darstellung, meint Norden. Da sind die Täter meist Unbekannte, die Vergewaltigung kommt „entweder als eine kriminelle Tat oder so als Handlungsmotor. Sie wird vergewaltigt, es wird jetzt ermittelt.“ Viel zu oft diene das als Rechtfertigung für einen Charakter. „Da war ein Drehbuchautor schlampig: Die Frau macht Sachen, die ich nicht verstehe. Was hat sie? Aha, sie wurde missbraucht. Dann gibt es so eine Szene, wo sie sagt: Ja, und dann hat er das Unsagbare getan und dann die Gegenfrage: Warum hast du nichts gesagt? Und sie wieder: Ich hab mich so geschämt. Okay, ja, voll, verstehe ich. So als wäre schon alles gesagt, dabei ist gar nichts gesagt. […] Solche Sachen kultivieren natürlich genau eine bestimmte Weise, darüber zu sprechen. […] Ich glaube, dieser Film ist radikal, weil er zeigt, wie es ist und nicht, wie man glaubt, dass es zu sein hat.“  

Ben Affleck und Matt Damon (rechts) in „The Rip“. | Foto © Claire Folger/Netflix

Betreutes Sehen  

Bei Netflix steht zurzeit „The Rip“ ganz oben. In dem Thriller lassen es Ben Affleck und Matt Damon „ordentlich krachen“, obwohl das Ganze doch eher „kammerspielartig“ inszeniert sei, staunt Christian Schachinger im „Standard“. Nebenbei erklärt er, wie das Medium die Erzählweise verändert (den Film fand er übrigens ziemlich gut):
„Keine Sorge, wie Matt Damon aktuell in einem Interview beklagte, erschließt und erschießt sich so ein im Streaming-Zeitalter veröffentlichter Film nicht nur über knappe, in der Realität angesiedelte Dialoge und Kamerabilder. Die Konzentration wird daheim auf dem Sofa doch ziemlich eingeschränkt. Anders als im Kino schaut man viel öfter zwischendurch auf das Handy. Auf Facebook wird da zum Beispiel gerade diskutiert, ob man zu Rindsrouladen Spiralnudeln servieren muss oder wie man die Sache mit Grönland und den USA lösen soll. Die Streamingdienste fordern von den Filmschaffenden deshalb eines: Laut Damon müsse die Handlung eines Films ,drei- bis viermal in den Dialogen wiederholt’ werden. Die Wiederholungen sollen gewährleisten, dass das Publikum trotz regelmäßiger Ablenkungen versteht, worum es gerade geht. Bei alten Krimis, ohne die die Mimi laut einem alten Schlager nicht ins Bett geht, ist die Technik altbekannt. Alle paar Seiten wird da erklärt, was zuvor gerade passiert ist. Damit man, wenn man über der Lektüre einschläft, nicht am nächsten Tag mühsam zurückblättern muss, um dem Geschehen weiter folgen zu können. In ,The Rip’ (ein Slangwort für die Beschlagnahmung von Drogen, Waffen oder Geld) wird gegen das Einschlafen mindestens alle zehn Minuten mit einem Faustkampf oder einer Schießerei angekämpft.“  
Sogar die gängige Erzählstruktur werde verändert, erzählte Damon in „Variety“ [auf Englisch] Jack Dunn: „In einem Actionfilm gibt es normalerweise drei spektakuläre Szenen. Eine im ersten Akt, eine im zweiten und eine im dritten. Das meiste Geld investiert man in die Szene im dritten Akt. Das ist das Finale. Und jetzt heißt es: ‚Können wir nicht gleich in den ersten fünf Minuten eine große Actionsequenz einbauen? Wir wollen, dass die Leute dranbleiben.“    

Stream

„Banksters“.  | Foto © HBO Max/W&B Television

Qualitätsoffensive 

Braucht Deutschland noch einen Streamingdienst? Das fragt sich Harald Staun in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ [Bezahlschranke] wohl zurecht. Schließlich haben die ersten schon wieder aufgegeben, und die anderen versuchen neue Konzepte, die ans Privatfernsehen im späten 20. Jahrhundert erinnern. Der US-Sender HBO sieht im Streaming trotzdem noch Zukunft. Vorige Woche startete er sein HBO Max auch in den deutschsprachigen Ländern.
Der Kabelsender HBO gehört zu Warner Bros. Discovery. Mit Serien wie „Die Sopranos“, „True Blood“ oder „Game of Thrones“ ist er maßgeblich Schuld am Boom von Serien und Streamern. Dass man „im Jahr 2026 ein bisschen spät zur Party komme“ räumt im Interview auch JB Perrette ein, der Streaming-CEO bei Warner. Er glaubt dennoch an eine große Nische: „Die Verbraucher haben heute oft das Gefühl, in einem Tsunami an Inhalten zu ertrinken, der unaufhaltsam auf sie einprasselt. […] Wir fragten uns, warum wir überhaupt versuchen sollen, damit zu konkurrieren. Und wir besannen uns wieder darauf, was wir gut können – nämlich großartige Inhalte für Erwachsene und Familien zu schaffen. Deshalb haben wir aufgehört, uns auf Young Adult zu konzentrieren, und weitgehend auch auf Kinderprogramme verzichtet. Stattdessen sind wir zu unserem Kern zurückgekehrt.“  
Im Februar soll auch die erste deutsche „Eigenproduktion“ „Banksters“ starten. „Für jeden Streamingdienst, der in einem Land oder einer Region erfolgreich sein will, sind lokale Inhalte entscheidend“, erklärt HBO-CEO Casey Bloys. „In meinen Gesprächen mit den lokalen Programmverantwortlichen sage ich immer: Macht euch keinen Kopf darüber, ein globales Publikum anzusprechen. Dreht einfach die besten Serien für eure Abonnenten. Man kann keinen Hit ,konstruieren’, und man kann keine Serie so planen, dass sie automatisch auch woanders funktioniert – egal ob in Deutschland, Italien, Mexiko oder Brasilien. Die einzige Serie, die über Grenzen hinweg Erfolg hat, ist eine gute Serie. Und eine gute Serie zu machen, ist schwer genug. Wenn sie dann auch in anderen Märkten funktioniert – phantastisch.“   

„Glove and Boots“. | Screenshot

Hochkant voraus! 

Gerade mal 15 Jahre ist es her, dass das Internet das Filmgeschäft grundlegend veränderte. In kurzer Zeit übernahmen Streamingdienste den Heimkinomarkt, von einst mal mehr als 9.000 Videotheken in Deutschland hat kaum eine überlebt. Doch damit ist noch lange nicht Schluß. Das Angebot von Amazon Prime etwa ähnelt inzwischen mehr und mehr dem linearen Fernsehprogramm; und auch Netflix, das mal als echte Videothek begonnen hatte, sucht neue Wege, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (hier bei „Horizont“): 
Der Marktführer unter den Streamern teste „bereits seit Monaten einen Feed mit Senkrecht-Clips aus seinen Filmen und Serien […]. Das Format solle Teil einer Erneuerung der Smartphone-App von Netflix in diesem Jahr werden. Der Vertikal-Feed soll Nutzern helfen, Netflix-Sendungen zu entdecken, die sie sich ansehen möchten. Aktuell werden Ausschnitte aus Netflix-Serien im Senkrecht-Format oft zum Beispiel bei Tiktok verbreitet – dem Dienst wäre aber lieber, wenn das auf seiner eigenen Plattform stattfinden würde.“ 
[Anmerkung: Vor den Folgen des „Vertical Video Syndromes“, hatten Damien Eckhardt-Jacobi und Vincent Bova in ihrem Youtube-Kanal „Glove and Boots“ schon früh gewarnt.]
Auch beim Kino ändert sich die Haltung des Streamers – womöglich. Seit Wochen kämpft Netflix eine Übernahmeschlacht um Warner Bros. Discovery, begleitet von einer „Charme-Offensive bei Kino-Betreibern“: „Man habe über die Jahre immer wieder erwogen, ein eigenes Filmtheater-Geschäft aufzubauen, sei aber angesichts anderer Prioritäten nicht dazu gekommen, betonten [Greg] Peters und der andere Co-Chef Ted Sarandos in einer Telefonkonferenz mit Analysten. […] Netflix hatte in der Vergangenheit wenig Begeisterung fürs Kino gezeigt. Auf Fragen dazu antworteten Manager stets, dass es für die Firma wichtiger sei, Filme für hunderte Millionen Streaming-Kunden zu veröffentlichen, als sie auf die Leinwand zu bringen. Sarandos betonte jetzt, seine früheren Äußerungen stammten aus einer Zeit, in der Netflix noch nicht im Filmtheater-Geschäft aktiv gewesen sei.“
Bei Ankündigungen im Zuge eines Bieterwettstreits ist Marc Mensch skeptisch. Allerdings seien dies „schlicht und ergreifend völlig andere Töne, als man sie noch bis Ende 2025 aus Los Gatos kannte“, schreibt er bei „The Spot“. […] Zuvor hatte Co-CEO Greg Peters unter Verweis auf bestehende Kooperationen betont, dass man bereits wisse, dass die Kinoauswertung ein ,effektiver Begleiter’ des Streaming-Modells sei. Oder anders formuliert: Er fasste in knappe Worte, was Zahlen seit Jahren belegen: Dass die Kinoauswertung die Wahrnehmung von Filmen auch auf nachgelagerten Plattformen beflügelt.“ 

Festival

Cooler als Cannes: Festival-Flair in Berlin. | Foto © cinearte

Kriterien für Filmkunst 

In drei Wochen eröffnet die Berlinale. Diese Woche hat die Festivalleiterin Tricia Tuttle ihr Programm vorgestellt. Die Feuilletons machen sich wieder die üblichen Sorgen: Wie berühmt sind die Namen im Wettbewerb? Und reicht das, um gegen den Flair von Cannes zu bestehen? 
„Immerhin ein paar Stars“, beruhigt sich David Steinitz in der „Süddeutschen Zeitung“ [Bezahlschranke]. Aber „die ganz großen Spitzentitel des anstehenden Kinojahres“ seien halt wieder mal nicht vertreten.
In der „Taz“ fürchtet Tim Caspar Boehme, „ob diejenigen Stimmen, die einen stetigen Bedeutungsverlust der Berlinale im Vergleich mit den anderen führenden Filmfestivals, Cannes und Venedig, beklagen, nicht doch recht haben könnten.“ 
Positiver formuliert es Jörg Gerle im „Filmdienst“: „Das Kino, das Tuttle und ihr Team für ihren Wettbewerb präferieren, ist dagegen eher unglamourös: An der Spree glüht man für das Kino mit Anspruch.“
„Gegen die Markt-Konzentration im internationalen Festivalzirkus“ sei auch Tuttle machtlos, vermutet Andreas Busche im „Tagesspiegel“. „Das relativiert ein wenig die Kritik an ihrem Vorgänger, dem gelegentlich eine ,Verzwergung’ der Berlinale vorgeworfen worden war. Carlo Chatrian wurde ja recht unschön von der Kulturpolitik und unter Applaus von Teilen der Presse abgesägt, unter anderem, weil er angeblich zu wenig Stars auf den Roten Teppich gebracht habe.“ 
Ob Cannes und Stars geeignete Qualitätskriterien sind, stellt keiner in Frage. Immerhin mahnt Busche, „dass man die Berlinale als das nehmen sollte, was sie ist – und das Festival nicht mit ständigen Cannes/Venedig-Vergleichen kleinreden. Im vergangenen Jahr wurden, nur ein Beispiel, 340.000 Kinokarten verkauft. Festivalrekord.“   

Förderung

In der Hochschule für Fernsehen und Film München. | Foto © HFF/Robert Pupetern

Talente brauchen Perspektiven 

Es gibt auch gute Nachrichten von der Förderreform. Mit dem neuen Filmfördergesetz (FFG) wurde auch die einstige Nachwuchsförderung neu aufgestellt. Mit mehr Geld vom Bund soll das Kuratorium junger deutscher Film zur großen Talentförderung werden – dessen Budget ist nun mit 9 Millionen Euro mehr als zehnmal so hoch wie bisher. Und mit nur einem Jahr Verspätung wurde der Umbau jetzt auch tatsächlich vollzogen.
Das reicht aber nicht, finden die sieben deutschen Filmhochschulen in einer gemeinsamen Stellungnahme. Denn preiswürdig war der Talentnachwuchs bisher auch schon; allein bei den „Hochschul-Oscars“ ist er regelmäßig dabei. Jedoch: „Die jungen Talente sowie die gesamte Branche benötigen eine verlässliche Perspektive, die ihnen auf der Basis des Filmförderungsgesetz grundsätzlich gegeben werden könnte, wenn dieses jetzt wie geplant vollumfänglich umgesetzt wird.“
Gemeint ist vor allem die geplante Investitionsverpflichtung für Sender und Streamer. Doch auch die Talentförderung solle noch nachgebessert werden: „Filmhochschulen sind im aktuellen FFG weiterhin von zentralen Förderinstrumenten ausgeschlossen. Dabei wird eine relevante Anzahl von Abschlussfilmen an den Hochschulen in vielfältigen Koproduktionsstrukturen mit Produktionsfirmen und/oder TV-Fernsehanstalten unter marktüblichen Bedingungen hergestellt und anschließend erfolgreich ausgewertet, ohne dass sie im Erfolgsfall zum Beispiel an der Referenzförderung der FFA partizipieren. Die Vertreter*innen der Filmhochschulen fordern die weiterführende Integration der Produktionen der Filmhochschulen in das Förderungssystem durch die zeitnahe Anpassung der Richtlinien.“ 

Rückblick

Bela Tarr. | Foto © EFA/Eszter Gordon

Strenge Empathie

Der ungarische Filmemacher Béla Tarr ist vor zwei Wochen gestorben [cinearte 792]. In „HVG“ [auf Ungarisch] nimmt der Regisseur Jákob Ladányi Jancsó Abschied von seinem Lehrer. Der „Perlentaucher“ übersetzt:
„Er sah den Menschen sehr präzise und mit tiefer Empathie, das war sein Geheimnis. Auch uns, seine Schüler. Zu jedem hatte er eine gänzlich andere Beziehung, denn er hatte keine festen Methoden. Für ihn waren diese Beziehungen zwischenmenschlicher Natur, die jeweils ihre eigenen Dynamiken hatten. Das bedeutete natürlich nicht, dass er ein netter, in allem unterstützender Lehreronkel war. Er konnte sehr streng, ja sogar grausam sein. Ein Problem oder ein Gedanke hielt ihn oft die ganze Nacht wach, und dann rief er an.
[…] Oft weckte er mich mitten in der Nacht mit einer Idee oder einem Gedanken. Einmal, weil ihm etwas nicht gefiel. Im Halbschlaf antwortete ich ihm: ,Fick dich, Béla, wenn du mich schon mitten in der Nacht weckst, könntest du dann wenigstens ein bisschen netter sein?’ Darauf antwortete er, dass es in diesem Moment ein Problem wäre, wenn er nett wäre, denn das würde bedeuten, dass er nicht mehr an mich glaube. Zu meinem Glück war er nie nett.
[…] Er hat mir gezeigt, mit welcher Haltung man leben und Filme machen muss und nicht das ,wie’. Zum ,wie’ sagte er immer nur, wir sollten Neues schaffen und unsere eigene Sprache finden. Er hat uns immer dazu ermutigt, aus der Reihe zu tanzen und mutig zu sein. Oft hat er uns wütend zugerufen: ,Ihr seid die Jungen, schnappt euch ein verdammtes Handy und erfindet die Filmsprache neu!’ Und er war wirklich punkiger und rebellischer als alle anderen. Er hasste die Filmindustrie, hat sich ihr nie unterworfen, genauso wenig wie irgendeinem System, der Zensur oder der Politik. ,Auf den Knien kann man nicht leben und niemals einen echten Film machen.’“ 

Wird diese Nachricht nicht richtig dargestellt, klicken Sie bitte hier.
Wir verbinden Menschen, um gemeinsam großartige Filme zu machen!
Wenn Sie diese E-Mail (an: unknown@noemail.com) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier abbestellen.