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Nachrichten für Filmschaffende – der Branchennewsletter von Crew United #810 vom 21. Mai 2026 |
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Das Titelthema: Ohne Perspektive
Die weiteren Themen: Filmemachen | Podcast | Kino | Aus aller Welt | Rückblick | Ausschreibung | Termine |
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„Tatort: Herz der Dunkelheit“. | Foto © MDR/Made for Film/Steffen Junghans |
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Der MDR muss sparen und setzt Produktionen aus. Dazu gehören auch die Krimireihen „Tatort Dresden“ und „Polizeiruf 110“. In den nächsten drei Jahre werden keine neuen Folgen mehr in Auftrag gegeben, berichtet Timo Niemeier bei „DWDL“. „Der MDR führt die angekündigte Sparmaßnahme in erster Linie auf die zum 1. Januar 2025 ausgebliebene Erhöhung des Rundfunkbeitrags zurück. Das bedeute für den Sender eine umfangreiche Budget-Kürzung.“ Das eigentliche Problem scheint aber die Verteilung zu sein. „Die Situation beim MDR zeigt, dass das Gleichgewicht der verschiedenen Anstalten innerhalb der ARD immer schwerer zu halten ist. Während die großen Anstalten vergleichsweise gut dastehen, müssen die kleinen und mittleren Sender spürbare Kürzungen vornehmen.“ Am Rundfunkbeitrag liegt’s jedenfalls nicht, kommentiert Michael Hanfeld in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ [Bezahlschranke]: „Wäre der Beitrag zum 1. Januar 2025 um 60 Cent erhöht worden, hätte der MDR bei einem Etat von 616 Millionen Euro knapp 20 Millionen mehr in der Tasche. Gespart werden mussten beim MDR aber schon vom Jahr 2024 an mehr als 160 Millionen. Der Sender hat in dem Vertrauen, dass sich das Geld der Beitragszahler schon vermehrt, über seine Verhältnisse gelebt (und ist keine Ausnahme).“ Der MDR hatte voriges Jahr bereits den „Polizeiruf“ aus Halle eingestellt, meldete damals die Deutsche Presse-Agentur. Branchenverbände wie die Produktionsallianz sehen die Entwicklung „mit Sorge. Denn: Diese Formate sind herausragende Beispiele des öffentlich-rechtlichen Programms, die seit Jahrzehnten nicht nur für kreative Vielfalt, sondern auch für Beschäftigung und regionale Wertschöpfung in der Region sorgen. Sie bilden dazu Lebensrealitäten ab und stoßen Debatten an. Gerade darin liegt ihre besondere gesellschaftliche Bedeutung. […] Für Mitteldeutschland wären die Folgen eines Produktionsstopps zudem erheblich, denn sie bedeuten den Abbau von Produktionsstrukturen und den dauerhaften Verlust tausender Arbeitsplätze. Zahlreiche mittelständische Unternehmen in der Region wären davon betroffen.“ Zumal Deutschland als Produktionsstandort für Fiktion eh „schon massiv unter Druck stehe“, mahnt der Regieverband (mit einem KI-Bild). „Zahlreiche Produktionen werden verschoben, abgesagt oder ins Ausland verlagert. […] Ein weiterer Rückzug aus der Fiktion gefährdet daher nicht nur einzelne Produktionen, sondern die gesamte kreative und wirtschaftliche Infrastruktur des Standorts Deutschland.“ Was die Pause für die Produktionsfirmen bedeutet, beschreibt Timo Niemeier ausführlich bei „DWDL“. „Die Ufa Mitte hatte jüngst eine Ausschreibung gewonnen und sollte in Zukunft den Magdeburger ,Polizeiruf’ produzieren. […] Der Ufa-Chef [Sascha Schwingel] warnt: Die Strukturen hinter den betroffenen Formaten würden sich nicht beliebig unterbrechen und Jahre später einfach wieder herstellen lassen. […] Schwingel will, dass die Diskussion über die Zukunft der Reihen in der gesamten ARD geführt wird. […] Und auch bei Made for Film findet man deutliche Worte rund um die aktuelle Situation beim MDR. Die Produktionsfirma zeichnet für den ,Tatort’ aus Dresden verantwortlich. Die beiden Made-For-Geschäftsführer Nanni Erben und Gunnar Juncken sprechen gegenüber DWDL auch nicht von einer dreijährigen Pause ihrer Reihe, sondern von einer ,Absetzung’. Erben und Juncken: ,Da wir bislang noch keine verbindliche Perspektive für eine Wiederaufnahme in drei Jahren erhalten haben, sehen wir das aktuell nicht als Pause, sondern als Absetzung des ,Tatort Dresden’.’“ Dabei hatte die ARD Degeto doch erst im Herbst noch einen Ideenwettbewerb für „Ostside-Stories“ ausgeschrieben [cinearte 782]. Erklärtes Ziel war, „die Zusammenarbeit mit ost- und mitteldeutschen Produktionsfirmen zu stärken“. Wie die Lücke im Osten wohl zu füllen wäre? Der Poetry Slammer Christian Bartel hat sich da für die Satire-Seite der „Taz“ eine tolle Pressekonferenz ausgedacht. |
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Tom Tykwer, Kurdwin Ayub, Helene Hegemann, Nora Fingscheidt, İlker Çatak (von links). | Foto © X Filme/Zentropa Germany |
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Mehr Regeln für mehr Freiheit |
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Irgendwann Mitte der 90er saßen mal vier Dänen nachts am Küchentisch und überlegten, wie sie anders Filme machen wollten. Ihre zehn Regeln nahmen sie zwar selbst nicht so ernst, aber „Dogma 95“ bescherte dem Kino aus dem Norden ziemliche Aufmerksamkeit, und bis zu 100 Filme aus aller Welt wollen nach den dänischen Regeln entstanden sein. Weshalb die Idee voriges Jahr mit fünf dänischen Regisseur*innen wiederbelebt wurde. In diesem Jahr präsentierte „Dogma 25 Germany“ die nächsten fünf, die nach dem neuen „Keuschheitsgelübde“ drehen wollen: Tom Tykwer, Kurdwin Ayub, Helene Hegemann, Nora Fingscheidt und İlker Çatak. „Nach dänischem Vorbild soll eine gemeinsame Basisfinanzierung für alle fünf Kinofilme sichergestellt werden. Diese umfasst unter anderem X Verleih als deutschsprachiger Verleih und Trust Nordisk als Weltvertrieb. ZDF und Arte wollen in Kürze als Partner dazustoßen, die Moin Filmförderung ist als erste bestätigte Regionalförderung an Bord“, wird in der Pressemitteilung [auf Englisch] erklärt, auf Deutsch bei „Tabula Rasa“. Die Filmemacher*innen sehen sich „an einem vergleichbaren Punkt“ wie ihre Vorgänger vor 30 Jahren. Die „wollten ihre Geschichten davor retten, von einer ästhetisch-inhaltlichen Normierung platt gewalzt zu werden, in die sie die Kommerzialisierung der Branche zu zwingen drohte. Wir steuern auf eine Welt zu, in der Geschichten bereits als Produkte gedacht werden, bevor sie überhaupt erlebt, gedreht oder auch nur empfunden wurden.“ Stattdessen wollen sie, „dass die echte Welt, dass echte Menschen in unseren Geschichten ihre Spuren hinterlassen.“ „Dogma 95“ hatte noch den Dreh auf 35-Millimeter-Film im Academy-Format vorgeschrieben und verboten, dass die Regisseur*innen in Vor- oder Abspann genannt werden (nun ja, vier Jahre später drehte Lars von Trier seinen „Dancer in the Dark“ doch lieber auf Video in Cinemascope und gewann die „Golden Palme“ in Cannes). Fürs neue Dogma sind dies keine Themen mehr, aber „das Internet wird aus allen kreativen Prozessen ausgeschlossen“. Das gilt auch für einige Filmgewerke, da ähneln sich die neuen und die alten Regeln: Höchstens zehn Personen bilden das Team hinter der Kamera; gedreht wird an Originalschauplätzen mit vorhandenem Licht und ohne Maske; das Drehbuch schreiben die Regisseur*innen selbst, Durch „das Schreiben per Hand, das Ausleihen jedes Kostüms und Props, greifen wir nicht nur einen lange bestehenden Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit in der Filmbranche auf, sondern begeben uns in einen Prozess der radikalen Kreativität – mit minimalen Mitteln, aber maximalem Anspruch. Das Drehen an realen Schauplätzen, wie es eine weitere Regel vorsieht, fördert nicht nur Authentizität, sondern kann das Spiel der Darsteller*innen zusätzlich inspirieren. Wir nehmen die Begrenzungen gern in Kauf, weil sie uns neue Freiheiten finden lassen.“ Rüdiger Suchsland hat da in seinem Blog auf „Artechock“ so einiges anzumerken. „In welchem Land der Welt käme man noch auf diese Idee: Ein 31 Jahre altes Manifest wird nachgeäfft und ausgerechnet in Cannes of all places einer gleichgültigen Welt präsentiert“. Die „Mischung aus leeren Behauptungen und Gelaber“ kann er nicht ernst nehmen. „Was soll das Labeling? Macht doch einfach eure Filme, macht möglichst gute Filme. Und warum muss eigentlich ein Keuschheitsgelübde sein, warum keine filmische Orgie, keine cinephile Polyamorie?“ |
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„The Orville“ (S1E7, 2017). | Foto © 20th Century Fox |
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Die Non-Profit-Organisation RSL Media will Werke, Identitäten und Figuren vor unberechtigter KI-Nutzung schützen, berichtet Tomislav Bezmalinović bei „Heise“. Dazu will sie einen Einwilligungsstandard etablieren. „Er soll KI-Systemen in maschinenlesbarer Form mitteilen, ob und unter welchen Bedingungen geschützte Werke, persönliche Merkmale und andere Rechte genutzt werden dürfen.“ Die Schauspielerin Cate Blanchett ist eine der vier Gründer*innen von RSL Media, weitere Hollywood-Stars unterstützen die Pläne. Die Abkürzung steht für „Right to Self-Likeness“, das Recht am Ebenbild. „Die Spezifikationen des sogenannten ,RSL Human Consent Standard’ sind bereits öffentlich einsehbar, wurden jedoch noch nicht finalisiert. Ergänzend dazu plant RSL Media ein öffentlich zugängliches Register. Dort sollen nicht nur Kreative und Künstler, sondern grundsätzlich alle Menschen ihre Identität verifizieren und für die vier Rechtebereiche Werke, Identität, Charaktere und Marken festlegen können, ob und unter welchen Bedingungen KI-Systeme diese nutzen dürfen. […] ,KI kann keine Rechte respektieren, die sie nicht sehen kann, menschliche Einwilligung ist in dieser neuen digitalen Ära daher praktisch unsichtbar’, sagt Nikki Hexum, Mitgründerin und CEO von RSL Media. Genau hier setzt die Initiative an. […] Die Initiative ist zunächst ein technischer Standardisierungsversuch, keine rechtlich bindende Vorgabe. Wie wirksam der Standard in der Praxis wird, hängt davon ab, ob KI-Anbieter, Plattformen und Infrastrukturunternehmen die Signale tatsächlich auslesen, respektieren und technisch durchsetzen.“ |
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Der Regisseur Werner Herzog ist in der Welt bekannter als im eigenen Land. Warum das so ist, will der SWR-Podcast „Werner Herzog – zu groß für Deutschland“ in sechs Folgen klären. Ann-Kathrin Leclère ist in der „Taz“ nicht ganz überzeugt. „Das größte Problem ist die Haltung des Hosts. Er macht früh klar, dass er Fan ist und so klingt der Podcast auch stellenweise. […] Trotz aller Schwächen funktioniert der Podcast als Einstieg in die Welt Werner Herzogs. Wer ihn bisher kaum kennt, lernt viel über seine Filme, seine Eigenarten und darüber, warum er außerhalb Deutschlands oft größer wirkt als hier.“ |
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Zehn Jahre dauerte die „Odyssee“, Christopher Nolan (links) will sie unter drei Stunden schaffen. | Foto © Universal/Melinda Sue Gordon |
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Kinofilme werden immer länger. Das hatte der britische „Economist“ [auf Englisch] schon vor zweieinhalb Jahren nachgerechnet. Jetzt stört sich auch Marie-Luise Goldmann in der „Welt“ [Bezahlschranke] an der grassierenden Überlänge: „Die Durchschnittslänge eines Spielfilms ist von den 1930ern bis zum Jahr 2022 um 32 Prozent gestiegen, von einer Stunde und 21 Minuten zu einer Stunde und 47 Minuten. Blockbuster sind heute sogar fast doppelt so lang wie früher.“ Mit den Daten übernimmt sie auch gleich die Erklärungsversuche aus dem Original: „Einerseits werden Filme heute nicht mehr nur für die Lichtspielhäuser gemacht, sondern für die Streamer, die sie oft schon zwei Wochen nach Kinostart zeigen […]. Der Konsument ist im seriellen Binge-Zeitalter ohnehin an Seh-Marathons gewöhnt, bei denen er stundenlang vor dem Bildschirm hängt. Entscheidend ist außerdem die Arroganz der Filmemacher, die es nicht mehr für nötig erachten, sich von Produzenten die Flügel stutzen zu lassen. […] Um mit der Konkurrenz mithalten zu können, muss sich der Film weiterhin immer stärker eventisieren, also zum Groß-Ereignis und Spektakel werden. […] Längere Laufzeiten schinden Eindruck; das Publikum erfährt sich als Teilnehmer eines Prestige-Marathons. Eine Pause, in der Snacks gekauft, Fotos gemacht und Gespräche geführt werden, erzeugt die Bedeutsamkeit eines Opernbesuchs. […] Wo Filme heute außerdem digital gespeichert werden und nicht mehr umständlich auf Rollen transportiert und gewechselt werden müssen, fällt der handwerkliche Grund für den klassischen 90-Minüter weg.“ Dabei entspreche der doch der menschlichen Natur, argumentiert Goldmann: „Laut Forschern lässt sich der BRAC, der Basic Rest Activity Cycle, der den Schlaf in 90-Minuten-Intervalle strukturiert, auch auf den Wachmodus übertragen.“ Laut Wikipedia geht man von Zyklen zwischen 80 und 120 Minuten aus; der BRAC ist auch nach 70 Jahren lediglich eine Hypothese, der Forschungsstand gebe „bis heute ein inkonsistentes Bild“. Was nicht erwähnt wird: Filme mit Überlänge bringen höhere Eintrittspreise und blockieren die Säle für die Konkurrenz. Auch die Literatur kennt den Trend zum dicken Buch. In der „Taz“ hatte Leander Steinkopf noch einen Grund dafür ausgemacht: „Obendrein hat man mit dicken Schinken bei der Kritik mitunter einen Stein im Brett. Wenn eine Neuerscheinung als ,Schmaler Band’ bezeichnet wird, dann soll die naheliegende Abwertung metaphorisch mitschwingen: Das dünne Werk ist durchschaubar und oberflächlich, die Tiefe geht ihm ab, es ist ein Leichtgewicht, dessen Autorin oder Autor die Mühen eines schweren, umfangreicheren Werkes gescheut hat. Ein umfangreiches Buch ist hingegen schnell ein gewichtiges Werk. ,Monumental!’, tönt es verlässlich aus den Kritiken.“ |
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Vincent Bolloré bei einer Konferenz 2013. | Foto CC Copyleft |
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In Frankreich warnen Filmschaffende vor einer „faschistischen Übernahme der kollektiven Fantasie“, meldet der „Standard“. Es geht um Canal Plus, den größten Bezahlsender des Landes, der auch die meisten Kinoproduktionen mitfinanziert; zur Canal-Plus-Gruppe gehören unter anderem 14 Produktionsfirmen in Europa und den USA und der Filmverleih Studiocanal. Seit Dezember 2024 ist die Firmengruppe ein eigenständiges Unternehmen, mit Abstand größter Hauptaktionär ist mit 30,4 Prozent der Milliardär und „Medienmogul“ Vincent Bolloré. „Der politisch am äußeren rechten Rand stehende Bolloré ist seit längerem bekannt dafür, etwa die Bildschirmzeit für Vertreter rechter Politik in den zu seinem Imperium gehörenden Medien zu steigern. […] Bolloré, der sich als Christdemokraten bezeichnet, stritt ideologische Eingriffe in seine Medien immer wieder ab.“ Eben das wurde ihm aber wiederholt vorgeworfen. Zuletzt im April, als er den Chef des renommierten Verlagshauses Grasset feuern ließ. 140 Autor*innen beendeten aus Protest bereits die Zusammenarbeit. Der Protest aus der Filmbranche fürchtet ebenfalls um die Freiheit der Kunst. Denn auch in Frankreich will die extreme Rechte staatliche Filmförderung und öffentlich-rechtlichen Rundfunk abwickeln. „Wollen wir das Risiko eingehen, dass morgen nur noch Propagandafilme im Dienste einer Ideologie finanziert werden? Der Kulturkampf, von dem überall die Rede ist, bezeichnet nicht bloß eine Auseinandersetzung zwischen Ideen. Wenn wir das französische Kino in die Hände eines rechtsextremen Chefs geben, riskieren wir nicht nur eine Vereinheitlichung der Filme, sondern auch eine faschistische Kontrolle über das kollektive Bewusstsein“, heißt es in der Petition, die in „Libération“ [auf Französisch] erschien. Der „Perlentaucher“ übersetzt – und zitiert auch die Reaktion, die Laurent Joffrin in „Libre Journal“ [auf Französisch] beschrieb: „Auf den Spuren seines Besitzers kündigt der Chef von Canal Plus, Maxime Saada, an, dass er die von 600 Filmschaffenden gestartete Petition gegen den Einfluss der Bolloré-Gruppe als Schwarze Liste nutzen werde. Es komme nicht mehr in Frage, mit diesen unverschämten Leuten zusammenzuarbeiten, die die Frechheit besitzen, den Kreuzzug des großen Zampanos zu kritisieren, obwohl sie von seiner Großzügigkeit profitieren. Das ist der intellektuelle Terrorismus von Canal Bolloré“. „Sollte Saada diese unverhohlene Drohung wahr machen, stünden fortan die Namen etlicher Stars der Branche auf der schwarzen Liste eines Senders, der zu den größten Finanziers des französischen Kinos zählt“, kommentiert Lena Bopp in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ [Bezahlschranke]. „Sorge bereitet ihnen insbesondere die angekündigte Übernahme der Kinokette UGC durch Vincent Bolloré. UGC betreibt 48 Kinos mit insgesamt 510 Sälen überall in Frankreich und zählt damit zu den größten Kinobetreibern des Landes. Mit einer Übernahme könnte Bolloré in der Lage sein, die gesamte Produktionskette des Kinos, von der Finanzierung und Produktion bis zur Ausstrahlung, zu kontrollieren, hieß es in dem Aufruf. […] Unterstützung erhalten sie, so wird berichtet, vor allem in Cannes von einer Branche, die jetzt zu kollektiven Pfeifkonzerten anhebt, wann immer das Logo von Canal Plus auf den Leinwänden des Festivals erscheint.“ |
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Angelica Domröse in „Die Legende von Paul und Paula“ (1973). | Foto © Stiftung Deutsche Kinemathek |
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Mit „Die Legende von Paul und Paula“ von 1973 wurde Angelica Domröse berühmt. Vorigen Freitag ist die Schauspielerin im Alter von 85 Jahren gestorben. Als Domröse die „Paula“ spielte, war sie schon längst ein Star auf Bühne und Bildschirm. Die Rolle „war so gesehen nur eine Etappe in ihrer Karriere, aber sie war zugleich viel mehr als das, denn sie machte sie international bekannt – und gab ihr womöglich auch die Kraft, sich von Honeckers Herrschaft, die das Land in zunehmende Erstarrung trieb, innerlich wie äußerlich abzusetzen. Dass sie 1976 die Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnete und vier Jahre später mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Hilmar Thate, in den Westen ging, war insofern nur konsequent, denn es setzte die Suchbewegung der pragmatischen Romantikerin Paula in der Wirklichkeit fort“, schreibt Andreas Kilb in seinem Nachruf in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ [Bezahlschranke]. „Sensationell“ findet er „die Art, wie [Heiner] Carows Film diese DDR-Wirklichkeit verwandelte, denn er machte sie zur Kulisse einer Amour fou. […] Die DDR sah sich in ,Die Legende von Paul und Paula‘ auch deshalb ähnlich, weil sie erkennbar provisorisch und auf Sand gebaut war – und weil die Aufbruchsstimmung, die in der frühen, allzu kurzen Phase von Honeckers Regime herrschte, sich auch in der Mimik der Darsteller spiegelte. Das galt besonders für Angelica Domröse, deren Paula mit ihrer Mischung aus trotziger Lebenslust und romantischer Verspieltheit das genaue Gegenbild jener verkniffenen Heldinnen war, die bis dahin das Kino der Defa und die Produktionen des DDR-Fernsehens bevölkert hatten.“ An Paula kommt auch Reinhard Wengierek in der „Welt“ nicht vorbei. Schließlich war sie „die Rolle ihres Lebens“: „Paula, die ruppige Realistin und schalkhafte Träumerin, Urberlinerin, Urgewächs aus des Volkes Mitte, ,diese Paula’, sagte die Domröse bis zuletzt, ,die ist mein gesteigertes Ich.’ Dabei stand sie zunächst nicht auf der Besetzungsliste. Sie war gerade dreißig und galt als ,DDR-Bardot’. Doch Carow wollte keinen BB-Verschnitt. Dass die Domröse sich gleich bei den ersten Probeaufnahmen gegen eine Riesenkonkurrenz an Jungblut durchsetzte und sich mit Paula für immer als Charakterdarstellerin etablierte, ließ das ,leichtlebige, oberflächliche Lärvchen‘ (so sah sie sich rückblickend selbst) fast vergessen, mit dem sie so famos zu betören wusste. Dem sie allerdings auf Anhieb ihren geradezu sensationellen Berufseinstieg im Defa-Kino verdankte. ,Für mich’, sagte sie, ,war Carow der wirkliche Entdecker. Der meinte mich so wie kein Zweiter.’“ „Die Legende von Paul und Paula“ ist noch bis 14. Juni in der ARD-Mediathek zu sehen. |
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Die ARD lädt wieder zum TopDocs-Wettbewerb und sucht „kreative Dokumentationen“. Aber mit festen Vorgaben für die Kreativität: „Im Mittelpunkt der Produktion sollen Geschichten von Menschen stehen, die Großes gewagt und für ihre Ziele alles aufs Spiel gesetzt haben: Geschichten von Heldinnen, Schwindlern und Genies. Die gesuchten Produktionen sollen sich auf Spurensuche begeben, Taten zeigen, die spektakulär waren und dabei vielleicht auch etwas verändert haben.“ Gezeigt werden die ausgewählten Produktionen in der ARD-Mediathek. Deshalb sollen sie „in der Umsetzung sowie Dramaturgie modernen Streaming-Gewohnheiten folgen“ und sich an eine „Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren“ richten. Konzepte und Ideen könne bis zum 3. August eingereicht werden. |
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„Alien 3“ (1992). | Foto © 20th Century Fox |
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Wie spricht man über Konflikte, ohne dass es eskaliert? Im nächsten Fair-Play-Impuls erklären Thomas Biniasz und Christine von Fragstein die Schritte zu einer Gesprächskultur, „in der Rückmeldungen konstruktiv gegeben und gehört werden können – auch und gerade in Konfliktsituationen.“ Für Premium-Mitglieder von Crew United und Pro-Mitglieder von Casting Network ist die Teilnahme frei. Mittwoch, 27. Mai, 9 bis 10:30 Uhr. Zoom |
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Familienfreundlich Drehen |
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An den Arbeitsbedingungen beim Film wird immer noch gearbeitet. Gerade Menschen mit Kindern stehen da vor besonderen Herausforderungen. Wie familienfreundliches Drehen gelingen kann, welche Lösungen es bereits gibt, und was Filmschaffende sich wünschen, fragt die Webinar-Reihe „Talk & Connect“ von Casting Network. Die Schauspielerin und Soziologin Lea Kirn hält dazu eine Keynote, dann diskutieren Liza Stutzky (BVC), Chiara Fleischhacker und Eugen Bauder über „Best-Practice-Beispiele, Herausforderungen und innovative Lösungsansätze“. Moderiert wird die Runde von Joëlle Banse, die Teilnahme ist kostenlos. Donnerstag, 28. Mai 2026, 12 bis 13:15 Uhr. Online via Zoom |
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Wir verbinden Menschen, um gemeinsam großartige Filme zu machen! |
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