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Nachrichten für Filmschaffende – der Branchennewsletter von Crew United #814 vom 09. Juli 2026 |
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Das Titelthema: Fehlzündung
Die weiteren Themen: Filmemachen | Podcast | Rückblicke | Termine |
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Dreharbeiten für „Natürlich die Autofahrer“ (1959). | Foto © Karl-May-Archiv Göttingen |
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Die Bundesregierung hat diese Woche ihren Haushaltsentwurf für 2027 vorgelegt, und die Befürchtungen haben sich bestätigt: Gespart wird auch an der wirtschaftlichen Filmförderung des Bundes – 36 Millionen Euro werden im nächsten Jahr fehlen. „Noch schneller hätten vermutlich nur wenige – zunächst eingelöst scheinende – Förderversprechen des Bundes Risse bekommen“, meint Marc Mensch bei „The Spot“ [Bezahlschranke]. Und klar sei nun „dass jegliche Zweifel an der verlässlichen ,Überjährigkeit’ eines 250-Millionen-Euro-Topfes berechtigt waren.“ Zur Erinnerung: 250 Millionen Euro mehr hatten die neue Bundesregierung und ihr Beauftragter für Kultur und Medien (BKM) der Filmbranche versprochen. Und zwar jedes Jahr. „Damit kann die gesamte Filmwirtschaft nun erstmals wirklich verlässlich über Jahre hinaus planen“, erklärte BKM Wolfram Weimer noch Ende Mai und sah die große Reform der Filmförderung vor dem Abschluss. Für eine „wirklich verlässliche Planung über Jahre hinaus“ hätten sich viele in der Branche etwas anderes gewünscht: Steueranreize, wie sie bereits in vielen anderen europäischen Filmländern eingesetzt werden. Und offenbar mit Erfolg, wenn sogar die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Auftragsproduktionen lieber dort drehen lassen. Ein Steueranreizsystem war auch bei der großen Förderreform vorgesehen – sogar als eine der drei tragenden Säulen. Weil sich aber Bund und Länder nicht einig wurden, hatte es die neue Regierungskoalition gar nicht erst weiter versucht. Stattdessen beschloss man, „so viel Geld in die heimische Filmbranche zu geben, wie nie zuvor“, lobte Weimer seinen „Filmbooster“. Der Filmbooster war wohl doch „nur ein kurzes Strohfeuer“, meint dazu Sven Lehmann von den Grünen, der Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundestags. Denn 14,4 Prozent davon sollen jetzt schon wieder wegfallen, rechnet Marc Mensch bei „The Spot“ [Bezahlschranke] nach. Und auch fürs Zukunftsprogramm Kino sind im nächsten Jahr keine Mittel mehr vorgesehen – „trotz entsprechender Aufforderung durch den Bundesrat“. Doch „an dieser Stelle lagen die Hoffnungen ohnehin auf dem nun folgenden parlamentarischen Verfahren“. |
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„Das Fest“ (1998), der erste offizielle Film nach dem „Dogma 95“. | Foto © Arthaus |
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Qualität statt Perfektion |
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Das heutige Kino bleibt weit unter seinen Möglichkeiten, findet der Filmemacher Daniel Moersener in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ [Bezahlschranke]. Statt Qualität liefere es bestenfalls Perfektion: „Staatliche Fördergremien exorzieren alles Zufällige, Unbeherrschte aus ihren Produktionen. Bevor die erste Klappe fällt, wird der Stoff über Jahre zerredet, bis alle Eminenzen am Tisch zufrieden sind. […] Auch die kommerziellen Studios sind von Kopf bis Fuß auf Feedback eingestellt. Noch vor Drehstart eruiert man Stimmungsbilder und Änderungswünsche der Konsumenten. Und schreckt selbst vor Zugeständnissen an die chinesische Kulturpolitik nicht zurück, um seine Chancen auf dem dortigen Markt nicht zu verspielen.“ Sein Gegenvorschlag erinnert an eine Idee aus Dänemark vor 30 Jahren: „Dreht darum keine Themenfilme, die gibt es schon zur Genüge! Lasst den Film stattdessen sein Thema finden, aufgreifen, verwerfen oder revidieren. […] Ein Stoff, der verflixte sieben Jahre herumliegt und überarbeitet wird, der erkaltet, erstarrt und mortifiziert. In Amerika nennen man das ,development hell’. Man sollte versuchen, den Film in sieben Tagen und sieben Nächten abzudrehen und mit möglichst leichtem Gepäck, minimaler Ausrüstung und kleinsten Teams ins Feld zu ziehen. Stundenlange Aufbauten, Umbauten, komplizierte Licht- und Kamera-Setups rauben jedem Film den Drive. Unnötige Wiederholungen und detaillierte Storyboards sind zu vermeiden, ebenso wie zu viele Requisiten. […] Großes Kino lässt sich nicht planen, es entsteht rein zufällig aus einer Verkettung von Irrtümern: Wenn sich ein paar halbe Fachleute ein Stelldichein geben. Fehler, Makel und Versäumnisse sollten nicht verheimlicht werden. Das Publikum wird sie übersehen oder für immer erinnern. Beides ist ein Sieg. […] Eine eigenfinanzierte Filmlandschaft, die auf Millionenbudgets und institutionelle Sicherheitsnetze verzichtet, wäre vermutlich weit weniger missbrauchsanfällig als die jetzige. Weil jedem finsteren Typen sofort die kreativen Partner davonlaufen würden.“ |
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Armie Hammer als „Citizen Vigilante“. | Foto © Event Filmproduktion |
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Spießbürger im Blutrausch |
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So sieht also ein rechtsextremer Blockbuster aus, staunt Philipp Bovermann in der „Süddeutschen Zeitung“ [Bezahlschranke]. Es geht um den neuen Film von Uwe Boll, dem „schlechtesten Regisseur der Welt“, wie schon im Vorspann in Anführungszeichen erklärt wird. Mit den selben Worten ordnet ihn auch Bert Rebhandl in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ [Bezahlschranke] ein: Der Regisseur, „künstlerisch beheimatet in den Grauzonen zwischen Computerspielen und Schundkino“, sorgt mit seinen Filmen regelmäßig für kurze Aufregung, nach der sie auch gleich wieder vergessen werden. Mit seinem neuen Werk hat er dem aber noch eins draufgesetzt: In „Citizen Vigilante“ metzelt ein einsamer Rächer Verbrecher mit Migrationshintergrund – und alle, die zufällig in der Nähe sind. Der Hauptdarsteller Armie Hammer sah in der Rolle vielleicht die Chance auf ein Comeback – vor fünf Jahren hatte er sich nach Missbrauchsvorwürfen aus mehreren Filmproduktionen in Hollywood zurückgezogen, hatte Kathleen Hildebrandt damals in der „Süddeutschen Zeitung“ gemeldet. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) jedenfalls hatte Bedenken und verweigerte die Freigabe. Damit „sind öffentliche Aufführungen und der reguläre Verkauf des Films nicht möglich. Wenn ein Film ,kein Kennzeichen’ erhält, liegt das zum Beispiel daran, dass er ein Maß an Gewaltdarstellungen aufweist, das als jugendgefährdend einzustufen ist“, erklärt Rebhandl, dem das noch nicht ausreicht: „Denn Bolls Film muss eindeutig unter dem Begriff der Volksverhetzung verhandelt werden.“ Hilft aber nichts: „Boll schrie Zensur, holte via X Elon Musk ins Boot, der sich über alles freut, was übel und rechts ist und mit einem 48 Stunden gültigen Gratislink dem Troll Gratiswerbung verschaffte. Sein Werk schoss bei Apple TV, wo man es streamen kann, kurzzeitig nach ziemlich weit oben“, schreibt Ekkehard Knörer in der „Taz“. Die FSK ist am Dienstag zurückgerudert und hat den Film fürs Kino ab 18 Jahren freigegeben. Exzessive Selbstjustiz und fragwürdige ethnische Zuschreibungen bietet zwar auch der Mainstream aus Hollywood zuhauf. Doch Boll macht es sich noch leichter, erklärt Knörer: „Der Vigilante knallt nicht nur migrantische Vergewaltiger, sondern gleich die ganze dazugehörige Familie einfach ab und schwadroniert in Videobotschaften gegen ,Überfremdung’ und ,Umvolkung‘ und das Versagen von Recht und Politik. Er mäht dann, wo er schon so ein schönes Waffenlager besitzt, auch ein ganzes SEK der Polizei einfach weg, mit viel Blut und platzenden Schädeln; außerdem werden Richter erledigt, deren Urteile ihm nicht hart genug sind.“ Bei „Telepolis“ beschäftigt sich Bernd Müller eingehender mit dem Amoklauf eines „Spießbürgers im Blutrausch“. Die Wirkung ist allerdings begrenzt, wie einige der Online-Kommentare zeigen. |
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„Radix“. | Foto © Premium Films/Anne Breymann |
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Der Wald ist ein „tief verwurzeltes Symbol unserer Kultur und lebendiger Mythos“ – und gleichzeitig auch ein „unverzichtbarer Systemdienstleister“, erklärt das MDR-Kurzfilmmagazin „Unicato“: Wälder regulieren das Klima, schützen den Boden vor Erosion und liefern den Rohstoff für eine nachhaltige Wirtschaft. Doch es geht ihnen nicht gut: „Gezeichnet von den Folgen des Klimawandels, von Dürreperioden und Schädlingsbefall, befindet sich das Ökosystem der Wälder in einer dramatischen Phase des Umbruchs.“ In den Kurzfilmen und Gesprächen beschäftigen sich die Filmschaffenden mit „geheimnisvollen Wesen, ökologischen Krisen und deren Folgen, sowie Wildtieren und wie diese zur Projektionsfläche menschlicher Ängste werden.“ |
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„Matrix“ (1999). | Foto © Warner Bros. |
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Was macht die Künstliche Intelligenz mit der Filmwelt? Für sein „KI-Spezial“ hat sich der „Indiefilmtalk“ mit vier weiteren Podcasts zusammengetan, um die Frage aus unterschiedlichen Perspektiven zu beantworten: Gemeinsam werfen sie „einen Blick auf Entwicklungen im Drehbuch, in der Filmvermittlung, der Produktion und der Filmmusik.“ Damit möchten sie „Denkanstöße liefern, unterschiedliche Sichtweisen sichtbar machen und zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema anregen.“ |
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Isabelle Bastian und Wim Wenders in der Ausstellung in Frankfurt. | Foto © Norbert Miguletz/DFF |
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Filmgeschichte in Objekten |
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Zum 80. Geburtstag von Wim Wenders zeigt das Filmmuseum in Frankfurt am Main noch bis Mitte Oktober die Ausstellung „W.I.M. Im Lauf der Zeit“ mit Drehbüchern, Fotos, Requisiten und Kostümen. Ein „eher unscheinbares, aber bedeutsames Objekt aus der Schau“: ein Telegramm des französischen Nouvelle-Vague-Regisseurs François Truffaut an Wim Wenders. Die Geschichte dahinter erzählt die Ko-Kuratorin Isabelle Bastian im hauseigenen Podcast „Filmgeschichte in Objekten“. |
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Petra Lüschow und Toks Körner. | Foto © DDV |
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Ums Filmstudium an der Hamburg Media School geht’s im Podcast des Deutschen Drehbuchverbands. „Stichwort Drehbuch“ spricht mit Petra Lüschow und Toks Körner, die den Studienbereich Drehbuch seit drei Jahren gemeinsam leiten. |
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„Der schweigende Stern“ (1960). | Foto © RBB/MDR/Progress/Waltraut Pathenheimer |
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Als der Westen noch Heimatschnulzen drehte, flog der Osten schon zur Venus, erinnert Oliver Weinlein in der „Berliner Zeitung“ [Bezahlschranke] an den ersten Science-Fiction-Film der DDR: 1960 kam „Der schweigende Stern“ in die Kinos, nach einem Roman von Stanisław Lem, unter der Regie von Kurt Maetzig. „Ein Kraftakt, wie ihn die Defa noch nicht gestemmt hatte. Der bis dahin teuerste Film des Landes kostete rund 5,75 Millionen DDR-Mark – Farbe, Breitwand, Vierkanalton. […] Bis dahin war es ein zäher Weg. Die Kulturbürokratie der DDR misstraute dem Genre, drei Autorenteams schrieben insgesamt zwölf Drehbuchfassungen, bis die Balance aus Abenteuer und politischer Botschaft stimmte. Ursprünglich sollte sogar Frankreich mitproduzieren, mit Simone Signoret und Yves Montand in den Hauptrollen – die Politik verhinderte es. Auch beim Casting ging es unorthodox zu. Julius Ongewe, Darsteller des afrikanischen Raumfahrers, wurde von der Straße weg engagiert – und musste nachsynchronisiert werden, weil er zu sehr sächselte. […] Und die Tricktechniker verbrauchten für die blubbernde Urschleim-Landschaft der Venus angeblich eine komplette Jahresproduktion der DDR an Leim.“ Der Film zählt zu den 50 erfolgreichsten Defa-Produktionen und lief sogar in den USA. Allerdings verstümmelt – „sämtliche Verweise auf den Atombombenabwurf über Hiroshima wurden herausgeschnitten. 1990 verspottete die US-Kultsendung ,Mystery Science Theater 3000’ den Film – ausgerechnet die ethnisch diverse Besatzung, für 1960 revolutionär, fiel dort noch als Kuriosität auf.“ Nur einer war bis zum Schluss nicht begeistert: „Stanisław Lem verlangte, seinen Namen aus dem Vorspann zu streichen – zu viel Friedenspropaganda, zu viel blubberndes Pech, das nicht einmal Kinder erschrecke, so seine Abrechnung.“ |
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„Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ (1926). | Foto © Absolut Medien |
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Das Meisterwerk des Silhouetten-Mädchens |
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Der älteste noch existierende abendfüllende Animationsfilm der Welt stammt nicht etwa von Walt Disney – sondern von der Berlinerin Lotte Reiniger: Vor 100 Jahren wurden „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ [Youtube] uraufgeführt. Beim SRF erzählt Brigitte Häring, „wie eine 27-Jährige die Trickfilmwelt umkrempelte“: „Schon in der Schule entwickelt die 1899 in Berlin geborene Reiniger eine Leidenschaft für Scherenschnitt und Schattenspiel. Geprägt vom ornamentalen Jugendstil ist sie bald schon eine Künstlerin mit Papier und Schere. In der Ausbildung als Schauspielerin lernt sie Paul Wegener kennen, berühmt durch seinen expressionistischen Stummfilm ,Der Golem’. Wegener bringt Lotte Reiniger mit Leuten in Kontakt, die in der Filmstadt Babelsberg ein Trickfilmatelier einrichten. […] 1922 heiratet Lotte Reiniger ihren tricktechnischen Berater Karl Koch, und kurz darauf beginnen die beiden die Arbeit an einem großen, abendfüllenden Film: Hinter den ,Abenteuern des Prinzen Achmed’ stehen drei Jahre Vorbereitung: Reiniger schneidet jedes einzelne Bild von Hand aus. Bei der Erstaufführung in Berlin im Mai 1926 wird der französische Regisseur Jean Renoir darauf aufmerksam und vermittelt im Juli 1926 eine Premiere in Paris: Lotte Reiniger und ihr Film werden international bekannt. […] Technisch und ästhetisch ist der Film ,Die Abenteuer des Prinzen Achmed’ der Zeit weit voraus – und gilt auch heute noch als Meisterwerk der Animationskunst. Obwohl schwarze, flächige Silhouetten, scheinen die Figuren zu leben, die mehrfach übereinandergelegten Hintergründe schaffen eine räumliche Tiefe, Licht- und Farbeffekte Dramatik, die zuweilen an die psychedelischen Musikfilme der 1970er-Jahre erinnern.“ |
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Plakat für die US-Serie „The Walking Dead“ (2010). | Foto © Martin Weiand |
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Die Kinoplakatmalerei ist auch so eine aussterbende Filmkunst. Einen der letzten seiner Art hatte Paula Schöber im letzten Herbst für „Tip Berlin“ ausgemacht. Eine ganz andere Spielart dieser Kunst ist zurzeit in der Städtischen Galerie Rosenheim zu sehen. Die Ausstellung „Big Promises“ präsentiert mehr als 100 Filmgemälde aus Ghana, mit denen Kinos und mobile Videocenter bis in die 2010er Jahre warben, und die heute auf dem Kunstmarkt gehandelt werden: „In einer oft drastischen Bildsprache ließen die Plakatmaler in ihren Werken regionale Mythen, Vorstellungen von Magie und christliche Dogmen mit der Werbesprache aus Hollywood, Bollywood oder auch Hongkong verschmelzen. […] Ausdruck einer lokal verankerten Populärkultur und zugleich Produkt einer globalisierten Welt.“ „Überwältigungsoptik pur“, hat Hannes Hintermeier für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ [Bezahlschranke] durchlebt und beschreibt ausgiebig „ein hemmungsloses Amalgam auf Blutrünstigkeit und Ritualmord“: Die Maler sollten die Fantasie des Publikums durch schockierende, übersteigerte Szenen maximal zum Kochen bringen. Oft versprachen die Plakate weit mehr an Spektakel, als der eigentliche Film lieferte. Blockbuster-Plakate aus Ghana wurden im Februar auch schon in San Francisco präsentiert. Bei Harman Projects sind die Motive online zu sehen. Bis 16. August. Dienstag bis Sonntag, im August nur noch Donnerstag bis Sonntag, 12 bis 17 Uhr. Städtische Galerie Rosenheim |
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„Black to the Future“. | Foto © Douze Doigts Productions/Gaumont |
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In Stuttgart läuft übers Wochenende das Afrika-Festival, und der Tavma Film Club lädt zur „Watch & Talk Party“ ein. Gezeigt wird die Science-Fiction-Komödie „Black to the Future“ über die erste afrikanische Weltraummission auf der Suche nach einer besseren Welt (in französischer Originalfassung mit englischen Untertiteln). Beim Get-Together lässt sich’s anschlließend diskutieren: „Denn trotz des futuristisch-leichten Titels, bietet der Film Tiefgang. Er öffnet Fragen nach Migration, Zugehörigkeit und den gesellschaftlichen Umgang mit Verschiebung, Identität und Zukunft.“ Der Eintritt ist frei, die Anmeldung ist online möglich. Samstag, 11. Juli, 16 Uhr. Altes Feuerwehrhaus Süd (Möhringer Str. 56), Stuttgart |
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